Schadensersatz: Alles über Anspruch und Leistungen

Egal ob Sie einen fremden Gegenstand kaputt gemacht haben oder ob Sie einen Unfall hatten: Es entsteht ein Anspruch auf Schadensersatz. Wir erklären Ihnen, was die Begriffe Schadensersatz statt der Leistung und Schadensersatz neben der Leistung bedeuten. Außerdem erfahren Sie, wer Schadensersatz zahlt, wann Sie Schmerzensgeld bekommen und welche Versicherungen wichtig sind.

Gesetzesbuch für Urteil

Bei dem Thema Schadensersatz muss oftmals ein Gericht entscheiden. © iStock/ djedzura

Wir haben mit dem Rechtsanwalt Christian Janeczek gesprochen und erklären Ihnen alles, was Sie zum Thema Schadensersatz wissen müssen:


Schadensersatz: Was ist das?

Grundsätzlich kann jeder Schadensersatz verlangen, dem Schaden zugefügt wurde. Wenn Sie Schadensersatz zahlen müssen, ist normalerweise ein bestimmter Geldbetrag gemeint. Derjenige, der den Schaden verursacht hat, muss dem Geschädigten den Schaden ersetzen.

Das bedeutet: Wenn eine Person A einen Gegenstand von Person B kaputt macht, hat Person B das Recht auf Schadensersatz. Person A muss die Reparatur für den zerstörten Gegenstand bezahlen oder die Kosten für einen neuen Gegenstand übernehmen.

Bei gesundheitlichen Schäden muss ein festgelegter Geldbetrag bezahlt werden. Die gesetzlichen Schadensersatzansprüche sind in § 823 BGB und § 280 BGB geregelt.

Echter und unechter Totalschaden

Der Rechtsanwalt Christian Janeczek hat uns erklärt, was die beiden Ausdrücke bedeuten. „Die juristischen Begriffe ‚echter‘ und ‚unechter‘ Totalschaden sind vor allem bei Autounfällen wichtig“, sagt der Fachanwalt. Der Unterschied wirkt sich immer auf die Höhe des Schadensersatzes aus.

„Bei einem Totalschaden geht es um die Reparaturkosten und den Wert des Fahrzeugs“, erklärt Janeczek. Dabei spielt der Wert eines Autos vor dem Unfall und der Wert des Autos nach dem Unfall eine Rolle: Vom Wert des Autos vor dem Unfall wird der Wert des Autos nach dem Unfall abgezogen. Dieser Betrag ist der Wiederbeschaffungsaufwand“, erklärt Janeczek.

Ein Beispiel: Person A wurde unverschuldet in einen Unfall mit Person B verwickelt. Ihr Fahrzeug war laut Gutachter vorher noch 12.000 Euro wert (Wiederbeschaffungswert). Der Unfallwagen hat nun aber nur noch einen Wert von 3.000 Euro (Restwert). Daraus ergibt sich der sogenannte Wiederbeschaffungsaufwand (Wiederbeschaffungswert minus Restwert) von 9.000 Euro. Das ist der Betrag, den Person B an Person A bezahlen muss.

„Sind die Reparaturkosten höher als der Wert des Autos vor dem Unfall, spricht man von einem echten Totalschaden“, sagt der Rechtsanwalt. „Sind die Reparaturkosten niedriger als der Wert des Autos vor dem Unfall, aber höher als der Wiederbeschaffungsaufwand, spricht man von einem unechten Totalschaden“, so Janeczek.

Ein Beispiel: Wenn im oben angeführten Beispiel die Kosten für die Reparatur des Fahrzeugs von Person A laut Gutachter bei 18.000 Euro liegen, sind die anfallenden Reparaturkosten (18.000 Euro) höher als der Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs (12.000 Euro). In dem Fall spricht man von einem echten Totalschaden.

Ein Beispiel: Wenn im oben angeführten Beispiel die Kosten für die Reparatur des Fahrzeugs von Person A laut Gutachter bei 11.000 Euro liegen, sind die anfallenden Reparaturkosten (11.000 Euro) zwar niedriger als der Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs (12.000 Euro). Die Reparatur des Unfallwagens (11.000 Euro) ist aber teurer als der Wiederbeschaffungsaufwand (9.000 Euro). In dem Fall spricht man von einem unechten Totalschaden.

Unechter Totalschaden

Bei einem unechten Totalschaden können Sie wählen, welchen Schadensersatz Sie bekommen möchten. Sie können Ihr Auto reparieren oder sich einen bestimmten Geldbetrag auszahlen lassen. Entscheiden Sie sich für das Geld, erhalten Sie den Wiederbeschaffungsaufwand (Wert des Fahrzeugs vor dem Unfall minus Wert des Fahrzeugs nach dem Unfall).

Wollen Sie Ihr Auto reparieren lassen, werden die Kosten bezahlt. Sie müssen Ihr Auto nicht komplett richten lassen. Das Fahrzeug muss nach der Reparatur nur in einem verkehrssicheren Zustand sein. Sie sind nicht verpflichtet, Lackschäden und „Schönheitsfehler“ auszubessern. Egal, wieviel Sie an Ihrem Auto richten lassen, die vom Gutachter ermittelten Nettoreparaturkosten stehen Ihnen zu. Wenn Sie die Reparatur in einer Werkstatt auf Rechnung machen lassen, zahlt die Versicherung die Bruttoreparaturkosten.

Weil bei einem unechten Totalschaden die Reparaturkosten für die Versicherung höher sind als der Wiederbeschaffungsaufwand, müssen Sie Ihr Auto mindestens ein weiteres halbes Jahr fahren. Die Versicherung wird sich nach sechs Monaten den Fahrzeugschein vorlegen lassen. „Der Kilometerstand könnte theoretisch auch kontrolliert werden. Normalerweise wird deswegen aber kein großer Aufwand betrieben. Meistens reicht ein Foto vom Fahrzeugschein als Nachweis aus“, erklärt Christian Janeczek.

Das bedeutet: Wenn die Versicherung die Reparaturkosten bezahlt hat und Sie das Fahrzeug innerhalb von sechs Monaten verkaufen, kann der Versicherer eine Rückzahlung verlangen. Haben Sie einen höheren Betrag beim Verkauf bekommen als den festgelegten Wiederbeschaffungsaufwand, müssen Sie diesen Teil zurückzahlen.

Aber: Sie können Ihr Auto unrepariert zum Restwert (Wert des Fahrzeugs nach dem Unfall) verkaufen. Den Restwert berechnet immer ein Gutachter. Von der Versicherung bekommen Sie dazu den Wiederbeschaffungsaufwand ausgezahlt.

Echter Totalschaden

Auch bei einem echten Totalschaden können Sie wählen, welchen Schadensersatz Sie bekommen möchten. Die Reparaturkosten dürfen aber maximal 30 Prozent höher sein als der Wert des Autos vor dem Unfall. Wenn Sie Ihr Auto bei einem echten Totalschaden in die Werkstatt bringen wollen, müssen Sie sich an das Gutachten halten und Ihr Auto vollständig reparieren lassen. Sie müssen, wie beim unechten Totalschaden, Ihr Auto mindestens ein weiteres halbes Jahr nutzen und das nachweisen können.

Alternativ können Sie den Wiederbeschaffungsaufwand von der Versicherung verlangen und das Auto zum Restwert an einen Schrotthändler verkaufen.

Das sollten Sie wissen: Bei einem echten Totalschaden unterscheidet man nochmal in technischer und wirtschaftlicher Totalschaden. Ein wirtschaftlicher Totalschaden liegt vor, wenn eine Reparatur zwar möglich, aber nicht wirtschaftlich ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Reparaturkosten höher sind als der Wert des Fahrzeugs vor dem Unfall (siehe Beispiel oben). Von einem technischen Totalschaden spricht man, wenn das Fahrzeug so stark beschädigt wurde, dass eine Reparatur vom Fachmann nicht mehr möglich ist. Ein technischer Totalschaden ist also immer auch ein wirtschaftlicher Totalschaden.

Pauschalisierter Schadensersatz

„Beim pauschalisierten Schadensersatz geht es um kleinere Beträge. Solche allgemeinen Kosten gibt es meistens bei Verkehrsunfällen“, erklärt Christian Janeczek. Das bedeutet: Nach einem Autounfall bekommen Sie zum Beispiel einen Betrag zwischen 25 und 30 Euro. „Porto, Telefon- und Fahrtkosten werden damit abgedeckt.“


Welche Leistung fällt wann an?

Wir erklären Ihnen, was die Begriffe Schadensersatz statt der Leistung und Schadensersatz neben der Leistung bedeuten.

Schadensersatz statt der Leistung

„Beim Schadensersatz statt der Leistung geht es um das sogenannte ‚positive Interesse‘ des Geschädigten“, sagt Janeczek. Das bedeutet: Es wird so getan, als wäre der Vertrag erfüllt worden. „Verkauft ein Händler einen Gegenstand und kann ihn dann nicht liefern, erhält der Käufer das nötige Geld, um den Gegenstand woanders zu kaufen“, erklärt der Fachanwalt.

Schadensersatz neben der Leistung

„Beim Schadensersatz neben der Leistung geht es nicht um die Leistung, sondern um eine Nebenpflicht“, so Janeczek. Das bedeutet: Sie haben zum Beispiel einen Gegenstand gekauft, er wird Ihnen aber nicht pünktlich geliefert. Die rechtzeitige Lieferung ist die Pflicht (Nebenpflicht) des Verkäufers. Weil Sie sich wegen der Verspätung einen Ersatz mieten mussten, ist Ihnen ein finanzieller Schaden entstanden. Die Kosten muss der Schädiger (Verkäufer) tragen. In dem Fall handelt es sich um einen Schadensersatz neben der Leistung.

Paket vor Haustuer

Wird Ihnen ein Gegenstand zu spät geliefert und Sie mussten sich einen Ersatz mieten, haben Sie Anspruch auf Schadensersatz neben der Leistung. © iStock/ monkeybusinessimages


Wer hat Anspruch auf Schadensersatz?

„Anspruch auf Schadensersatz hat grundsätzlich jeder, der geschädigt wurde“, erklärt der Rechtsanwalt. Ein sogenanntes schädigendes Ereignis kann eine unerlaubte Handlung (Verkehrsunfall, Körperverletzung, Betrug) sein oder eine vertragliche Pflichtverletzung (falsche, zu späte oder mangelhafte Lieferung eines Gegenstandes).


Welche Arten von Schadensersatz gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Schadensersatz. Wir stellen Ihnen hier die wichtigsten Möglichkeiten vor.

Schmerzensgeld

Bei Körperverletzung, unzumutbaren seelischen Belastungen oder einer Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung muss Schmerzensgeld bezahlt werden. Dabei handelt es sich um einen bestimmten Geldbetrag.

Ein Beispiel: Zwischen Person A und Person B kommt es zu einem Verkehrsunfall. Person A hat Schuld an dem Vorfall. Person B hat als Folge ein Schleudertrauma und kann kurzzeitig nicht arbeiten. Person B kann neben den Kosten für die Autoreparatur auch Schmerzensgeld verlangen. Die Haftpflichtversicherung von Person A muss alle Kosten bezahlen.

Ob Schmerzensgeld bezahlt werden muss und wie hoch die Summe ist, hängt von vielen Faktoren ab. Einen allgemeinen Betrag gibt es nicht. Es kommt immer auf die Art und die Dauer der Verletzung an. Auch die Arbeitsunfähigkeit und psychische Langzeitfolgen spielen eine Rolle. Für einen Anspruch auf Schmerzensgeld ist grundsätzlich eine ärztliche Beurteilung nötig.

Pflegekosten

Pflegekosten fallen an, wenn der Geschädigte durch ein schädigendes Ereignis gesundheitlich eingeschränkt ist. Braucht er Hilfe im Alltag oder muss er in ein Pflegeheim, hat der Schädiger oder seine Versicherung die Kosten zu bezahlen.

Ein Beispiel: Zwischen Person A und Person B kommt es zu einem Verkehrsunfall. Person A hat Schuld an dem Unfall. Person B sitzt als Folge im Rollstuhl und braucht Hilfe im Alltag. Eine Pflegekraft muss eingestellt werden. Die anfallenden Kosten muss die Haftpflichtversicherung von Person A übernehmen.

Schadenbedingter Mehrbedarf

Kann der Geschädigte durch ein schädigendes Ereignis nicht mehr arbeiten, bekommt er einen sogenannten schadenbedingten Mehrbedarf. Der Schädiger oder seine Versicherung müssen ihm eine Rente bezahlen.

Ein Beispiel: Person A kann wegen eines Vorfalls, den Person B verursacht hat, nicht mehr arbeiten. Person A hat deshalb Anspruch auf Schadensersatz. Die Haftpflichtversicherung von Person B muss Person A eine Geldrente bezahlen.

Verdienstausfall

Grundsätzlich gibt es einen Unterschied zwischen dem Verdienstausfall bei Angestellten und dem Verdienstausfall bei Selbständigen.

Verdienstausfall bei Angestellten

Sind Sie wegen eines Unfalls krankgeschrieben, muss Ihr Arbeitgeber für sechs Wochen Ihr Gehalt weiterhin bezahlen. Wenn Ihnen dadurch Zuschläge oder Sonderzahlungen (für Nachtdienste) wegfallen, entsteht Ihnen ein sogenannter Verdienstausfall. Dafür können Sie vom Unfallverursacher Schadensersatz verlangen.

Nach sechs Wochen übernimmt die Krankenkasse die Zahlungen (Krankengeld). Sie deckt aber nur 70 Prozent Ihres Bruttogehalts ab. Den restlichen Verdienstausfall muss Ihnen der Unfallverursacher bezahlen.

Ein Beispiel: Zwischen Person A und Person B kommt es zu einem Verkehrsunfall. Person A hat Schuld daran. Person B ist als Folge für drei Wochen krankgeschrieben. Das Gehalt von Person B zahlt in dieser Zeit der Arbeitgeber weiter. Zuschläge für mögliche Nachtdienste werden aber nicht übernommen. Person B kann dafür Schadensersatz verlangen. Den Verdienstausfall muss die Haftpflichtversicherung von Person A bezahlen.

Verdienstausfall bei Selbständigen

Bei Selbständigen ist der Verdienstausfall der sogenannte entgangene Gewinn. Was das bedeutet, erklären wir Ihnen im nächsten Punkt. Bei Selbständigen muss für Schadensersatz immer ein Nachweis zum entgangenen Gewinn vorliegen.

Entgangener Gewinn

Sie hatten einen Unfall und können nicht arbeiten. Wenn Sie deshalb in einem bestimmten Zeitraum weniger Geld verdienen, können Sie Schadensersatz bekommen. Der entgangene Gewinn ist das Geld, das Sie normalerweise verdient hätten.

Ein Beispiel: Wegen eines Vorfalls, für den Person A verantwortlich ist, kann Person B nicht arbeiten. Weil Person B selbständig ist, können einige Aufträge nicht erledigt werden. Person B ist ein finanzieller Schaden entstanden, weil sie weniger Geld als geplant verdient hat. Den entgangenen Gewinn muss die Haftpflichtversicherung von A bezahlen.

Unterhaltsschaden

Normalerweise kann nur derjenige Schadensersatz verlangen, der geschädigt wurde. Stirbt der Geschädigte aber an den Folgen eines Unfalls, kann auch anderen Personen ein Schaden entstehen. Das gilt beispielsweise für regelmäßige Unterhaltszahlungen.

Ein Beispiel: Ein Familienvater (Person A) stirbt bei einem Unfall, den Person B verursacht hat. Person A musste aber nach der Scheidung von seiner Frau regelmäßig Unterhalt für seine beiden Kinder bezahlen. Weil der Familie nach dem Tod von Person A ein finanzieller Nachteil entstanden ist, muss die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers (Person B) den Unterhaltsschaden bezahlen.

Sachschaden

Wird eine Sache beschädigt oder kaputt gemacht, spricht man von einem Sachschaden. Schon leichte Kratzer auf einem Gegenstand (zum Beispiel auf einem Schmuckstück) sind ein Sachschaden. Dafür können Sie vom Verursacher Schadensersatz verlangen.

Ein Beispiel: Person A beschädigt aus Versehen eine antike Vase von Person B. Es ist ein Sachschaden entstanden, den Person A bezahlen muss. Die Haftpflichtversicherung von Person A übernimmt entweder die Kosten für die Reparatur oder die Kosten für eine neue, gleichwertige Vase.

Nutzungsausfall

Ein Nutzungsausfall ist eine Situation, in der ein Gegenstand gerade nicht zur Verfügung steht. Kommt es zu einem Nutzungsausfall und ist der Geschädigte auf den Gegenstand angewiesen, muss der Verursacher Schadensersatz zahlen.

Ein Beispiel: Es kommt zu einem Autounfall zwischen Person A und Person B. Person A hat Schuld an dem Unfall. Das Auto von Person B muss für ein paar Tage zur Reparatur in die Werkstatt. Person B braucht das Auto aber, um morgens in die Arbeit zu fahren. Für die Dauer der Reparatur muss sich Person B einen Mietwagen leihen. Die Kosten muss der Unfallverursacher (Person A) beziehungsweise seine Haftpflichtversicherung tragen.

Schadensersatz wegen Nichterfüllung

Erfüllt ein Schuldner seine vertraglichen Pflichten nicht, hat der Geschädigte Anspruch auf Schadensersatz. Das bedeutet: Liefert ein Verkäufer die falsche Sache oder liefert er den Gegenstand zu spät, können Sie Schadensersatz verlangen.

Ein Beispiel: Person A kauft von dem Händler B einen Beamer für einen Vortrag. Der Händler B liefert den Beamer aber später, als im Kaufvertrag vereinbart. Person A kann wegen der Verspätung den Vortrag nicht wie geplant halten. Person A kann vom Händler B Schadensersatz wegen Nichterfüllung seiner vertraglichen Pflichten verlangen.

Verzugsschaden

Ein Verzugsschaden entsteht, wenn eine Leistung zu spät erfüllt wird. Wird Ihr Gehalt zu spät von Ihrem Arbeitgeber bezahlt, entsteht Ihnen ein Verzugsschaden. Neben Ihrem Gehalt haben Sie Anspruch auf Schadensersatz, wenn Sie deshalb zum Beispiel eine Kreditrate nicht pünktlich bezahlen konnten.

Ein Beispiel: Person A bekommt im Monat August das Gehalt nicht pünktlich von ihrem Arbeitgeber B überwiesen. Person A kann deshalb eine Kreditrate für August bei der Hausbank nicht pünktlich bezahlen und muss mit weiteren Kosten rechnen. Person A ist ein Verzugsschaden entstanden, den der Arbeitgeber B übernehmen muss.

Gipsbein

Bei einem körperlichen Schaden haben Sie Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. © iStock/ domin_domin


Die Kosten: Wer zahlt Schadensersatz?

Grundsätzlich gilt: Sind Sie für einen Schaden verantwortlich, müssen Sie für den Schaden zahlen. „Eine Versicherung übernimmt den Schaden, wenn das Risiko versichert ist“, sagt Christian Janeczek. Verantwortlich für einen Schaden sind Sie, wenn Sie den Schaden verursacht haben. In manchen Fällen müssen Sie auch für einen Schaden haften, wenn Sie ihn nicht selbst ausgelöst haben. Das nennt man verschuldensunabhängige Haftung. Es betrifft größere Unternehmen.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen garantiert, dass es für seine Kunden zu 99,9 Prozent erreichbar ist. Es kommt zu einem technischen Defekt und alle Leitungen liegen lahm. Weil die Kunden das Unternehmen nicht erreichen konnten, ist ihnen ein Schaden entstanden. Für den Schaden muss das Unternehmen zahlen (verschuldensunabhängige Haftung).

Die Kfz-Haftpflichtversicherung

Einen Schaden, der einer anderen Person durch Ihr Auto entstanden ist, übernimmt die Kfz-Haftpflichtversicherung. Wenn Sie ein Auto haben, sind Sie dazu verpflichtet, eine solche Police abzuschließen. Abgedeckt sind normalerweise Personenschäden, Sachschäden, Vermögensschäden und immaterielle Schäden (Körperverletzung, seelische Belastungen) bis zu 100 Millionen Euro.

Aber: Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung übernimmt nur den Schaden, der mit dem versicherten Fahrzeug entstanden ist. „Nicht versichert ist der Schaden, den Sie mit einem Fahrrad verursachen. Dafür brauchen Sie eine Privathaftpflichtversicherung, die Schäden durch ein Fahrrad abdeckt“, erklärt der Fachanwalt.

Informieren Sie sich direkt über die Kfz-Haftpflichtversicherung der AllSecur.

Die Privathaftpflichtversicherung

Ihre Privathaftpflichtversicherung kümmert sich um Personenschäden, Sachschäden und Vermögensschäden, die Sie aus Versehen verursacht haben. Das bedeutet: Die Versicherung übernimmt alltägliche Schäden, die Sie anderen Personen zufügen. Auch wenn Ihnen im Urlaub etwas passiert, greift die Privathaftpflichtversicherung. Die meisten Policen gelten normalerweise weltweit. Fragen Sie aber bei Ihrem Versicherungsanbieter nach, ob bei Ihrem Tarif ein Schutz im Ausland dabei ist.

Informieren Sie sich direkt über die Privathaftpflichtversicherung der AllSecur.

Wie meldet man einen Schaden bei der Versicherung?

Haben Sie aus Versehen einen fremden Gegenstand kaputt gemacht und wissen nicht, wie Sie vorgehen sollen? Wir zeigen Ihnen in fünf Schritten, wie Sie einen entstandenen Schaden bei Ihrer Versicherung melden sollten.

1. Schaden dokumentieren

Fotografieren Sie den kaputten Gegenstand. Behalten Sie alle Einzelteile immer solange, bis der Fall abgeschlossen ist. Manchmal muss der Gegenstand für ein offizielles Gutachten eingeschickt werden. Nicht vergessen: Tauschen Sie die Adressen untereinander aus!

2. Nicht unüberlegt handeln

Erklären Sie sich nicht voreilig für schuldig und zahlen Sie nicht einfach Schadensersatz, bevor Sie Ihrer Versicherung die Situation geschildert haben. Ihre Versicherung wird den Anspruch auf Schadensersatz prüfen.

3. Versicherung informieren

Informieren Sie sofort Ihre Haftpflichtversicherung über den entstandenen Schaden. Das können Sie normalerweise telefonisch, schriftlich oder sogar online machen. Füllen Sie die Meldung korrekt aus und schicken Sie auch Ihre Fotos mit ein.

4. Informationen weiterleiten

Wenn Sie Forderungen, Mahnungen oder Klagen erhalten, leiten Sie alle wichtigen Informationen sofort an Ihre Versicherung weiter. Sie wird sich um den Fall kümmern und nach der Prüfung den Schadensersatz bezahlen.

Schaden mit Handy dokumentieren

Sie sollten den entstandenen Schaden immer dokumentieren und Fotos machen. © iStock/ Manuel-F-O

Wann muss man selbst für den Schaden zahlen?

Es gibt auch Situationen, bei denen Sie selbst Schadensersatz zahlen müssen. Das gilt entweder, wenn das jeweilige Risiko und der entstandene Schaden nicht versichert sind. Oder wenn Sie den Schaden absichtlich verursacht haben.

Ein Beispiel: Schäden durch Tiere wie Pferde oder Hunde werden nicht von der Privathaftpflichtversicherung übernommen. Haben Tierbesitzer keine Tierhalterhaftpflichtversicherung, müssen sie den entstandenen Schaden selbst bezahlen.

Hund mit zerbrochenem Geschirr

Hat Ihr Hund einen Schaden verursacht, zahlt entweder Ihre Tierhalterhaftpflichtversicherung oder Sie müssen die Kosten selbst tragen. © iStock/ Chalabala

Was passiert, wenn man den Schadensersatz nicht zahlen kann?

„Wenn Sie den Schadensersatz nicht bezahlen können und auch keine Versicherung dafür haben, müssen Sie damit rechnen, dass der Geschädigte vor Gericht geht. Es kommt normalerweise zu einem sogenannten Vollstreckungsbescheid“, sagt Christian Janeczek. Es droht die Pfändung oder sogar die eidesstattliche Versicherung (früher Offenbarungseid).

Das bedeutet: Wird eine Vermögensauskunft vom Gerichtsvollzieher verlangt, muss der Schuldner sein gesamtes Vermögen angeben. Als Schuldner bezeichnet man denjenigen, der den Schaden verursacht hat und bezahlen muss. Wird eine sogenannte Vermögensauskunft von ihm gefordert, muss der Schuldner alle Gegenstände angeben, die er besitzt. Weil er nicht genügend Geld hat, um den Schadensersatz zu bezahlen, werden ihm diese Gegenstände zum Ausgleich weggenommen.

Meistens kommt zur Vermögensauskunft eine eidesstattliche Versicherung. Der Schuldner erklärt damit, dass alle Angaben korrekt sind. Eine falsche Aussage ist eine Straftat. Es droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

„Der Anspruch auf Schadensersatz wird wie eine nicht bezahlte Rechnung verfolgt“, so der Rechtsanwalt. Handelt es sich um eine absichtliche unerlaubte Handlung (Körperverletzung), muss der Verursacher die entstandenen Kosten immer selbst bezahlen.


Verjährt Schadensersatz?

Schadensersatz verjährt nach einer gewissen Zeit. Das bedeutet, dass Sie nach ein paar Jahren nicht mehr für den Schaden verantwortlich gemacht werden können. Will der Geschädigte erst nach Ablauf der Frist Geld von Ihnen, müssen Sie nichts mehr bezahlen.

Es kommt aber immer darauf an, um welchen Schaden es sich handelt. Wir geben Ihnen einen Überblick, wie schnell welcher Schaden verjährt.

Verjährung nach 6 Monaten

Ansprüche gegenüber Mietern verjähren nach sechs Monaten. Vorsicht: Hier kommt es nicht auf das Mietende, sondern auf die Übergabe der Wohnung an.

Verjährung nach 3 Jahren

Normalerweise verjähren Schadensersatzansprüche bei einer Sachbeschädigung nach 3 Jahren. Mit dem Jahresende beginnt die Frist. Der Geschädigte muss von dem Schaden wissen, den Verursacher kennen und den Schaden gemeldet haben.

Das bedeutet: Wurde Ihr Auto am 11.08.2017 beschädigt, endet Ihr Anspruch auf Schadensersatz am 31.12.2020.

Verjährung nach 10 Jahren

Der Geschädigte kennt den Schaden, weiß aber nicht, wer ihn verursacht hat. Ein Anspruch auf Schadensersatz verjährt in diesen Fällen nach 10 Jahren ab dem Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses.

Verjährung nach 30 Jahren

Immaterielle Schadensersatzansprüche (Körperverletzung, seelische Belastungen) verjähren laut § 199 BGB nach 30 Jahren ab dem Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses.

Schaden schnell melden

Wir hoffen, wir konnten Ihnen einen Überblick geben, was Schadensersatz ist, was Schadensersatz im Einzelnen bedeutet und wann Sie Schmerzensgeld fordern können. Egal ob Schadensersatz statt der Leistung oder Schadensersatz neben der Leistung, Sie sollten immer auf Ihren Anspruch auf Schadensersatz bestehen.

Falls Sie einen Gegenstand kaputt gemacht haben, sollten Sie den Vorfall schnell Ihrer Versicherung melden. Sie wird Ihnen weiterhelfen, den Fall prüfen und normalerweise den Schadensersatz bezahlen.

Wir möchten uns ganz herzlich bei Herrn Janeczek und dem Deutschen Anwaltverein für das interessante Interview bedanken!

Wir wünschen Ihnen natürlich, dass Sie unsere Informationen nur so selten wie möglich benötigen! Ihre AllSecur