Die Wegfahrsperre: Schutz vor Autodieben

In Deutschland sind Autohersteller verpflichtet, eine elektronische Wegfahrsperre in ihre Fahrzeuge einzubauen. Das System schützt Autos vor Diebstahl. Autos, die älter sind und noch keine elektronische Wegfahrsperre besitzen, können durch eine mechanische Wegfahrsperre gesichert werden. Wir erklären Ihnen, wie die elektronische Wegfahrsperre funktioniert, woher Sie wissen, ob in Ihrem Auto eine verbaut ist und was das für Ihre Kfz-Versicherung bedeutet.

Autodiebe sitzen im Auto
Die elektronische Wegfahrsperre schützt vor Autodiebstahl. © gettyimages/dardespot

Autohersteller in Deutschland sind gesetzlich dazu verpflichtet, in jedes Auto eine Wegfahrsperre einzubauen. Wir erklären Ihnen alles, was Sie zur elektronischen, aber auch mechanischen Wegfahrsperre wissen müssen:

Was ist die elektronische Wegfahrsperre?

Eine elektronische Wegfahrsperre schützt Ihr Auto vor einem Diebstahl. Sie verhindert, dass jemand Ihr Auto ohne den Autoschlüssel starten kann. Die Wegfahrsperre bemerken Sie meist gar nicht. Sobald Sie Ihr Auto ausschalten, ist sie aktiv. Wenn Sie Ihr Auto dann wieder starten, wird das System automatisch deaktiviert.

Wie funktioniert die Wegfahrsperre?

Autodieb schließt Auto kurz
Autos ohne elektronische Wegfahrsperre können im Prinzip einfach kurzgeschlossen werden. © gettyimages/simonkr

Es gibt verschiedene Generationen der Wegfahrsperre. Die erste elektronische Wegfahrsperre wurde in den 90er Jahren eingebaut.

Die Wegfahrsperre verhindert, dass der Motor gestartet werden kann. Heute wird die Wegfahrsperre über den Autoschlüssel beim Absperren aktiviert und beim Aufsperren wieder deaktiviert. Über die Jahre hat sich die elektronische Wegfahrsperre in drei Generationen weiterentwickelt.

1. Generation: Die Dreikreisunterbrechung

Die erste Generation der Wegfahrsperre trennt die Verbindung zwischen Anlasser, Zündung und Benzinzufuhr. Dadurch kann der Motor nicht starten. Die Wegfahrsperre ist aber sehr einfach zu knacken, weil man nur den elektrischen Schalter überbrücken muss.

2. Generation: Die Magnetfrequenz-Identifizierung

Die zweite Generation ist Mitte der 90er Jahre erschienen. Bei dem System wird das Motorsteuersystem blockiert. Das funktioniert über einen elektrischen Impuls, den ein RFID-Chip im Autoschlüssel auslöst: Der Autoschlüssel hat eine Seriennummer, die durch das Bordsystem abgefragt wird.

Ist die Nummer richtig, deaktiviert sich die Wegfahrsperre. Ist die Nummer falsch, bleibt die Motorsteuerung gesperrt. Das Aktivieren und Deaktivieren der Wegfahrsperre bemerken Sie meist gar nicht, weil es automatisch passiert.

Was bedeutet RFID?

RFID (radio-frequency identification) bedeutet, dass eine Identifizierung über elektromagnetische Wellen möglich ist. Für das RFID-System muss immer ein Empfänger-System (im Auto) und ein Sende-System (im Schlüssel) vorhanden sein. Die Identifizierung funktioniert kontaktlos innerhalb einer bestimmten Entfernung.

3. Generation: Optimierte Version

Autodiebe haben mit der Zeit herausgefunden, wie sie das Signal zwischen Auto und Schlüssel unterbrechen können. So konnten sie verhindern, dass die Wegfahrsperre funktioniert. Deshalb wurde in der dritten Generation das Signal des RFID-Chips im Autoschlüssel verschlüsselt.

Wie finde ich heraus, welche Generation mein Auto hat?

Welche Generation der Wegfahrsperre Ihr Auto hat, können Sie im Handbuch beziehungsweise der Betriebsanleitung finden.

Hat mein Auto eine Wegfahrsperre?

Seit 1998 müssen in Deutschland alle Fahrzeuge die elektronische Diebstahlsicherung haben. Darum müssen Sie sich aber nicht selbst kümmern. Alle Autohersteller sind dazu verpflichtet, die elektronische Wegfahrsperre in ihre Fahrzeuge einzubauen (§ 38a Absatz 1 StVZO). Wurde Ihr Auto also nach 1998 hergestellt, hat es eine Wegfahrsperre. Wenn Sie sich nicht sicher sind, können Sie auch beim Hersteller nachfragen oder im Handbuch des Fahrzeugs nachschauen.

Laut Gesetz müssen elektronische Wegfahrsperren in folgenden Fahrzeugen eingebaut sein:

  • Personenkraftwagen und Lastkraftwagen
  • Zugmaschinen und Sattelzugmaschinen, die ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen nicht überschreiten

In schweren Fahrzeugen muss keine Wegfahrsperre verbaut sein, weil Diebe sie wegen ihrer Größe seltener stehlen. Aber auch für andere Fahrzeuge gibt es Ausnahmen, wann der Hersteller keine elektronische Wegfahrsperre einbauen muss:

  • Land- und forstwirtschaftliche Maschinen
  • Dreirad-Kraftfahrzeuge
  • Kleinkrafträder
  • Fahrräder mit Hilfsmotor

Beim Kauf eines Gebrauchtwagens sollten Sie immer abklären, ob eine Wegfahrsperre vorhanden ist und ob sie funktioniert. Bei Fahrzeugen, die vor 1998 gebaut wurden, können Sie im Handbuch nachsehen, ob sie eine Wegfahrsperre haben.

Was sind mechanische Wegfahrsperren?

Radkralle am Fahrzeug
Mechanische Wegfahrsperren schützen Ihr Auto zusätzlich vor Diebstahl. © gettyimages/MarioGuti

Für Fahrzeuge, die noch keine elektronische Wegfahrsperre haben (weil sie vor 1998 gebaut wurden) oder zusätzlich vom Eigentümer gesichert werden sollen, gibt es mechanische Wegfahrsperren. Davon sind viele verschiedene Varianten auf dem Markt, von denen wir Ihnen die gängigsten vorstellen möchten.

Radkrallen

Radkrallen werden an der Felge des Fahrzeugs angebracht und mit einem Schloss gesichert. Dadurch ist das Rad blockiert und das Auto kann nicht mehr gefahren werden. Der Vorteil der Radkralle ist, dass sie überall eingesetzt werden kann und auf den ersten Blick abschreckend wirkt. Der Nachteil: Sie müssen die Radkralle immer montieren und abmontieren, was Zeit in Anspruch nimmt.

Für die Radkralle gibt es auch die folgenden Bezeichnungen:

  • Parkkralle
  • Autokralle

Ventilwächter

Den Ventilwächter schrauben Sie auf das Ventil des Autoreifens. Ab etwa 15 km/h öffnet der Wächter das Ventil und der Reifen verliert Luft. Der Nachteil des Ventilwächters ist, dass das Auto in Schrittgeschwindigkeit trotzdem problemlos gefahren werden kann.

Lenkradsperre

Laut §38a StVZO müssen Fahrzeuge in Deutschland ebenfalls ein Lenkradsperre haben. Sie lässt sich mit Hilfe des Autoschlüssels in der Zündung aktivieren. Das Lenkrad rastet bei eingeschlagenen Vorderrädern ein. Das Auto kann dann nur noch im Kreis fahren.

OBD-Saver

Der OBD-Saver oder auch OBD-Buchse (On-Board-Diagnose) ist der Zugang zu allen elektrischen Bauteilen Ihres Fahrzeugs. Das Fahrzeugdiagnose-System zeichnet auf, ob Fehler auftreten und speichert sie. Werkstätten können die Fehler später auslesen.

Den Zugang können aber auch Autodiebe nutzen, um das Auto zu manipulieren und zum Beispiel die elektronische Wegfahrsperre zu deaktivieren. Mit einem OBD-Saver können Sie verhindern, dass Autodiebe dort ein System zur Manipulation (zum Beispiel über einen Laptop) anschließen können.

Mechanische Wegfahrsperren wie die Radkralle und der Ventilwächter werden auch von der Stadtverwaltung, Ordnungs- oder Finanzämtern eingesetzt, um Leute zu bestrafen, die zum Beispiel ihre Kfz-Steuer nicht bezahlen oder falsch parken.

Was passiert bei defekter Wegfahrsperre?

Automechanikerin repariert elektronische Wegfahrsperre
Defekte Wegfahrsperren lassen sich in einer Werkstatt wieder deaktivieren. © gettyimages/zeljkosantract

Es kann passieren, dass sich die elektronische Wegfahrsperre nicht mehr deaktivieren lässt. Dann können Sie sie nicht mehr selbst nutzen, obwohl Sie der Besitzer des Fahrzeuges sind.

Ursachen

Häufige Ursachen für eine defekte Wegfahrsperre können sein:

  • defekte Verkabelung
  • leere Autobatterie
  • defekter Schlüssel
  • leere Batterie im Schlüssel

Wenn Sie die Autobatterie extern wieder aufladen oder die Batterie im Schlüssel selbst tauschen können, kann das Ihr Problem manchmal schon beheben. Oft muss aber der Schlüssel wieder neu für das System der Wegfahrsperre angelernt werden. Das können Sie nur in einer Werkstatt machen lassen.

Was kann ich tun, wenn die Wegfahrsperre defekt ist?

Wenn Ihre Wegfahrsperre nicht mehr funktioniert, können Sie Ihre Autowerkstatt kontaktieren. Sie kann das Fahrzeug abholen oder sogar vor Ort wieder deaktivieren.

Wenn Sie einen Pannenhilfe-Dienst abgeschlossen haben, können Sie auch Ihren Ansprechpartner kontaktieren. Die Werkstatt kann die Wegfahrsperre in jedem Fall deaktivieren.

Muss meine Wegfahrsperre funktionieren?

Sie müssen dafür sorgen, dass Ihre Wegfahrsperre nach einem Defekt wieder funktionstüchtig ist. Wenn Sie mit einer defekten Wegfahrsperre angehalten werden, kann ein Verwarngeld in Höhe von 10 bis 20 Euro fällig werden.

Wenn Ihr Auto gestohlen wird und die Wegfahrsperre nicht aktiviert war, übernimmt die Versicherung im Zweifel nicht alle Kosten.

Wie kann ich die Wegfahrsperre deaktivieren?

Die Wegfahrsperre sollten Sie nicht selbst deaktivieren. Es ist verboten, Geräte, die die Wegfahrsperre deaktivieren können, mit sich zu führen oder zu besitzen. Außerdem muss Ihre Wegfahrsperre laut § 38a Absatz 1 StVZO funktionstüchtig sein und darf nicht dauerhaft deaktiviert werden.

Das sollten Sie wissen: Wenn sich die Wegfahrsperre ungewollt aktiviert, kann eine Autowerkstatt sie wieder fachgerecht deaktivieren.

Wie sicher ist die elektronische Wegfahrsperre?

Autodiebe manipulieren mit Laptop das Bordsystem
Professionelle Autodiebe können schnell herausfinden, wie sie die neuesten Wegfahrsperren überwinden können. © gettyimages/dardespot

Professionelle Autodiebe finden immer wieder neue Möglichkeiten, ihr Vorgehen an neue Techniken der Autohersteller anzupassen. Früher oder später können sie also auch neue Arten der elektronischen Wegfahrsperre deaktivieren. Deshalb müssen die Systeme dauerhaft weiterentwickelt werden.

Durch eine funktionierende elektronische Wegfahrsperre ist aber ein Autodiebstahl schwieriger und dauert länger. Die Chance entdeckt zu werden, ist somit für die Diebe höher und schreckt ab. Diebe, die kein professionelles Fachwissen und die richtigen Geräte haben, scheitern normalerweise an der elektronischen Wegfahrsperre.

Übrigens: Laut einer Statistik des GDV sind die Autodiebstähle in Deutschland seit der Einführung der elektronischen Wegfahrsperre deutlich gesunken. 1996 waren es noch 76.266 Diebstähle pro Jahr. 2016 nur noch 18.227 Autos.

Ist die Wegfahrsperre Pflicht bei der Versicherung?

Mann prüft seine Versicherungsunterlagen
Wie wichtig die Wegfahrsperre für Ihre Versicherung ist, sollten Sie unbedingt prüfen. © gettyimages/shapecharge

Wenn Ihr Auto keine Wegfahrsperre hat, kann es sein, dass die Kosten für Ihre Kfz-Versicherung höher sind. Denn die Chance, dass Ihr Auto gestohlen wird, ist so deutlich höher.

Wird Ihr Auto gestohlen und hatte keine funktionierende Wegfahrsperre, kann es sein, dass Ihre Teilkaskoversicherung beziehungsweise Ihre Vollkaskoversicherung den Diebstahl nur zum Teil oder gar nicht bezahlt.

Wenn Sie ein älteres Auto versichern möchten, das noch keine Wegfahrsperre besitzt, erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer Versicherung. Manchmal genügt es, wenn Sie Ihr Auto durch eine mechanische Wegfahrsperre schützen. Dann können aber auch die Kosten für die Versicherung höher sein.

Weitere Diebstahlsicherung

Die elektronische Wegfahrsperre schützt zwar Ihr Auto vor Diebstahl, aber keine Wertgegenstände, die sich in Ihrem Wagen befinden. In unserem Ratgeber Schutz vor Diebstahl aus dem Auto geben wir Ihnen Tipps, wie Sie sich davor schützen können.

Falls trotz aller Sicherheitsmaßnahmen Ihr Auto gestohlen werden sollte, erklären wir Ihnen genau, was zu tun ist und wer die Kosten bezahlt.

Wir wünschen Ihnen allzeit gute Fahrt! Ihre AllSecur

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