Sturmschaden am Auto: Wer zahlt?

Unwetter und Sturm sind in Deutschland mittlerweile keine Seltenheit mehr und verursachen schnell Schäden in Milliardenhöhe. Wir erklären Ihnen, was Sie bei einem Sturmschaden am Auto tun müssen und welche Kosten Teilkasko und Vollkasko in dem Fall übernehmen. Auch wenn Ihnen ein Baum, der zu einem Privatgrundstück gehört, bei einem Unwetter aufs Auto fällt, steht oft im Raum: Wer zahlt eigentlich den Schaden? Wir beantworten Ihnen hier alle Fragen rund um Sturmschäden.

Sturmschaden am Auto mit Loch in der Windschutzscheibe
Fällt Ihnen ein Baum aufs Auto, entsteht schnell ein großer Schaden. © gettyimages/Lux_D

Bei einem Sturmschaden sollten Sie schnell handeln und Ihre Kaskoversicherung informieren. Wir erklären Ihnen anhand von Beispielen, wann welche Versicherung zahlt und was bei einem Sturmschaden wichtig ist:

Wer zahlt bei Sturmschaden am Auto?

Grundsätzlich gilt: Mit einer Kaskoversicherung können Sie einen Sturmschaden am Auto Ihrer Versicherung melden. Wenn Sie aber nur die verpflichtende Kfz-Haftpflichtversicherung für Ihr Fahrzeug abgeschlossen haben, müssen Sie normalerweise alle anfallenden Kosten selbst bezahlen.

Die Teilkasko übernimmt aber nicht alle Schäden, die bei einem Unwetter an Ihrem Auto entstanden sind. Wir erklären Ihnen im Folgenden, wann welche Versicherung zahlt und worauf Sie achten müssen.

Was zahlt die Teilkaskoversicherung?

Sogenannte unmittelbare Sturm- und Hagelschäden an Ihrem Auto übernimmt normalerweise die Teilkaskoversicherung. Dazu gehören herumfliegende Dachziegel oder Fassadenteile. Fällt zum Beispiel ein schwerer Ast oder ein umgekipptes Verkehrszeichen während eines Unwetters auf Ihr geparktes Auto, ist auch das ein Fall für die Teilkasko.

Aber: Kein Versicherungsschutz besteht, wenn die Gegenstände mit dem Fahrzeug verbunden sind. Beschädigt zum Beispiel eine fixierte Vorzeltstange bei einem Sturm den Wohnwagen, zahlt Ihre Versicherung nicht.

Wurde eine Hochwasser-Warnung mit starken Unwettern ausgesprochen und Sie stellen Ihr Fahrzeug trotzdem in dem gefährdeten Gebiet ab, gilt das als fahrlässig. In dem Fall zahlen nur Versicherungen, die grobe Fahrlässigkeit im Vertrag miteingeschlossen haben.

Die Teilkaskoversicherung zahlt Ihnen bei einem Sturmschaden die entstandenen Reparaturkosten oder auch den Zeitwert Ihres Fahrzeugs. Das ist der Betrag, den Sie für Ihr Auto vor dem Unfall bei einem Verkauf bekommen hätten.

Eine Entschädigung für mögliche Ausfälle oder einen Mietwagen-Zuschuss bekommen Sie nur, wenn Sie die Leistungen zu Ihrem Tarif dazu gebucht haben. Die vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung müssen Sie bei einem Kaskoschaden immer aus eigener Tasche bezahlen. Den Rest übernimmt dann Ihre Versicherung.

Das sollten Sie wissen: Ein Sturmschaden wird erst ab Windstärke 8 von der Teilkasko übernommen. In einem solchen Fall herrscht normalerweise eine Windgeschwindigkeit von 62 bis 74 km/h. Das bedeutet, große Bäume bewegen sich sehr stark, Zweige können abbrechen, Fensterläden werden geöffnet und Dachziegel können sich lösen.

Umgefallene Bäume auf der Strasse
Liegt ein Baum schon auf der Straße und Sie fahren dagegen, zahlt normalerweise nur die Vollkasko den Schaden an Ihrem Auto. © gettyimages/Gueholl

Was zahlt die Vollkaskoversicherung?

Handelt es sich bei einem Sturmschaden an Ihrem Auto aber um einen sogenannten mittelbaren Sturmschaden, übernimmt in der Regel nur eine Vollkaskoversicherung die anfallenden Kosten. Darunter fallen zum Beispiel Unfälle, an denen Sie selbst schuld sind.

Beispiel: Das Fahrzeug vor Ihnen ist gegen einen umgestürzten Baum gefahren. Sie können nicht mehr rechtzeitig bremsen und stoßen deshalb mit Ihrem Vordermann zusammen. Den Schaden am Auto des anderen übernimmt normalerweise Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung. Die Reparaturkosten für Ihr eigenes Fahrzeug können Sie aber nur Ihrer Vollkaskoversicherung melden. Haben Sie keine Vollkasko abgeschlossen, müssen Sie die Kosten in dem Fall selbst bezahlen.

Das sollten Sie wissen: Ist Ihr Auto von einem morschen, herabfallenden Ast beschädigt worden, zahlt die Vollkasko auch bei einer geringeren Windstärke als 8.

Werden Sturmschäden während der Fahrt übernommen?

Entsteht an Ihrem Auto während der Fahrt ein Sturmschaden, kommt es immer auf das Wie an, ob Ihre Versicherung die Kosten übernimmt. Dafür ist natürlich auch entscheidend, ob Sie überhaupt eine solche freiwillige Police abgeschlossen haben.

Beispiel: Ist Ihnen ein herumfliegender Ast während der Fahrt aufs Autodach geknallt, können Sie den Schaden Ihrer Teilkasko melden. Ihre Versicherung übernimmt normalerweise die Reparaturkosten.

Beispiel: Liegt ein entwurzelter Baum schon auf der Straße und Sie können vor Schreck nicht mehr rechtzeitig bremsen, zahlt nur die Vollkasko den entstandenen Schaden an Ihrem Auto.

Baum fällt auf ein Auto: Wer zahlt?

Umgekippter Baum auf einem Auto
Fällt Ihnen während eines Unwetters ein Baum aufs Auto, muss der Grundstücksbesitzer nicht immer zahlen. © gettyimages/nevarpp

Ist während eines Sturms ein Baum auf Ihr Auto gefallen, der auf einem Privatgrundstück stand, kommt es auf Folgendes an:

  • War der Baum gesund und ist bei einem starken Sturm umgefallen?
  • War der Baum offensichtlich krank und ein Ast ist deshalb abgebrochen?

Grundsätzlich gilt: Steht ein Baum auf einem Privatgrundstück, ist immer der Besitzer dafür verantwortlich. Fällt ein gesunder Baum aber bei einem starken Sturm um, spricht man normalerweise von höherer Gewalt. Das bedeutet, dass auch der Besitzer des Grundstücks in dem Fall nichts für den Schaden kann und auch nicht zahlen muss. Hier hilft Ihnen Ihre Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung.

War der Baum aber vorher schon krank und hatte zum Beispiel morsche Äste, ist der Besitzer für den Schaden verantwortlich. Er hat in dem Fall fahrlässig gehandelt und hätte den Baum rechtzeitig kontrollieren lassen müssen. Seine Privathaftpflichtversicherung oder die Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung übernimmt normalerweise Ihren Schaden. Hat er eine solche Police aber nicht abgeschlossen, muss der Grundstücksbesitzer Ihre Reparaturkosten aus eigener Tasche bezahlen.

Das sollten Sie wissen: Für Hausbesitzer gilt die sogenannte gesetzliche Verkehrssicherungspflicht. Das bedeutet, Sie müssen dafür sorgen, dass Ihr Besitz in einem sicheren Zustand ist. Aus dem Grund sollten Sie auch Bäume auf Ihrem Grundstück mindestens zweimal pro Jahr überprüfen. Wenn Sie sich selbst dabei nicht sicher sind, bestellen Sie am besten einen geschulten Baumpfleger.

Muss ich bei einem Sturmschaden mit einer Rückstufung rechnen?

Melden Sie Ihrer Kfz-Versicherung einen Sturmschaden, werden Sie normalerweise nicht in der Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft und können Ihren Schadenfreiheitsrabatt behalten.

Bei der Teilkaskoversicherung gibt es grundsätzlich keine Schadenfreiheitsklassen. Das liegt daran, dass Sie für die versicherten Risiken wie Brand, Glasbruch, Wildschäden, Diebstahl oder Sturmschäden nicht verantwortlich sind. Aus dem Grund müssen Sie nach einem solchen Schaden auch keine höheren Beiträge bezahlen.

Aber: Verursachen Sie während eines Sturms einen Unfall, weil Sie wie im Beispiel oben gegen einen auf der Straße liegenden Baum gefahren sind, übernimmt zwar Ihre Vollkaskoversicherung den Schaden. Sie werden aber innerhalb der Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft und müssen künftig mehr für Ihre Kfz-Versicherung bezahlen.

Das sollten Sie wissen: Bei Kratzern oder kleineren Lackschäden kann es sich lohnen, wenn Sie die Reparaturkosten selbst übernehmen. So vermeiden Sie eine Rückstufung in der Vollkasko und können Ihre schadenfreien Jahre behalten.

Wie melde ich der Versicherung einen Sturmschaden?

Autos bei Regen auf Strasse
Bei einem Unwetter übernimmt die Teilkaskoversicherung einen Sturmschaden nur ab Windstärke 8. © gettyimages/robertiez

Haben Sie einen Sturmschaden am Auto, sollten Sie das so schnell wie möglich Ihrer Versicherung mitteilen. Viele Versicherungen übernehmen die Reparaturkosten nur, wenn Sie sich innerhalb einer Woche melden. Die Polizei müssen Sie in dem Fall aber nicht informieren.

Gehen Sie folgendermaßen Schritt für Schritt vor:

  1. Dokumentieren Sie den Schaden: Machen Sie detaillierte Fotos von Ihrem Fahrzeug und den beschädigten Stellen. Außerdem ist es sinnvoll, auch die Umgebung zu fotografieren, damit die Versicherung die Folgen des Unwetters besser einschätzen kann.

  2. Kontaktieren Sie Ihre Versicherung: Bei der AllSecur können Sie Ihren Schaden direkt online melden. Sie können Ihren Versicherer normalerweise auch per E-Mail oder telefonisch erreichen. Melden Sie sich aber in jedem Fall innerhalb einer Woche bei Ihrer Versicherung. Manche Anbieter erwarten bei einem Sturmschaden auch ein Einschreiben mit Rückschein. Informieren Sie sich dazu direkt bei Ihrer Kaskoversicherung und sprechen Sie das weitere Vorgehen ab.

  3. Geben Sie der Versicherung Uhrzeit und Ort durch: Die Uhrzeit und den Ort, an dem der Sturmschaden passiert ist, sollten Sie Ihrem Versicherer so genau wie möglich mitteilen. So kann die Versicherung die Lage anhand der Unwetter-Warnung besser nachvollziehen. Sollten Sie Informationen des Deutschen Wetterdienstes dazu finden, geben Sie auch die relevanten Angaben direkt weiter.

  4. Nennen Sie dem Versicherer Zeugen: Haben Sie Zeugen für das Unwetter und den entstandenen Schaden (zum Beispiel Ihren Beifahrer oder Passanten), sollten Sie die Personen bei der Versicherung mit Namen und Anschrift angeben.

  5. Lassen Sie das Auto keinesfalls selbst reparieren: Bringen Sie Ihr Fahrzeug nicht selbst in die nächste Werkstatt. Ihre Versicherung wird einen Gutachter zur Einschätzung des Sturmschadens an Ihrem Auto vorbeischicken. Er wird alles Weitere mit Ihnen und Ihrem Versicherer abklären und in die Wege leiten.

Unterwegs bei Wind & Sturm: Tipps zur Fahrweise

In manchen Fällen lässt es sich nicht vermeiden, das Unwetter zu umfahren oder Sie schaffen es einfach nicht mehr rechtzeitig nach Hause. In dem Fall ist es besonders wichtig, sicher und vorausschauend zu fahren.

Warnschild bei Unwetter
Bei Sturmverhältnissen und Unwetter sollten Sie immer auf die Straßenschilder Acht geben. © gettyimages/trendobjects

Tipps, wie Sie sich bei einem Sturm im Straßenverkehr richtig verhalten und so das Risiko senken können, gibt der ADAC. Wir haben die Richtlinien hier für Sie zusammengefasst:

  • Geschwindigkeit senken: Bei niedrigem Tempo können Sie schneller reagieren und besser gegenlenken, sollte Ihr Fahrzeug von einer Windböe erfasst werden.
  • Strecken mit vielen Bäumen meiden: Hat der Wetterdienst eine Sturmwarnung ausgesprochen, sollten Sie sich darauf einstellen. Umfahren Sie in einem solchen Fall Straßen, die von Bäumen umgeben sind.
  • Auf Brücken und Waldschneisen Acht geben: Dort ist die Gefahr groß, dass Sie und Ihr Fahrzeug von starken Windböen erfasst werden. Haben Sie hier immer angebrachte Windsäcke und Hinweisschilder im Blick, um die Lage besser einschätzen zu können.
  • Überholen von Lastwagen und Bussen vermeiden: Beim Überholen fahren Sie anfangs im Windschatten des anderen Fahrzeugs. Sie müssen aber damit rechnen, dass Sie danach direkt vom Seitenwind erfasst werden. Das kann Ihr Fahrzeug schnell von der Spur abbringen.
  • Dachlasten abmontieren: Befestigte Fahrräder oder Ski-Boxen auf Ihrem Autodach verstärken normalerweise die Wirkung des Sturms. Das Unwetter hat so eine größere Aufprallfläche und wirkt deshalb stärker auf Ihr Fahrzeug ein.
  • Bei Wohnmobilen, Gespannen, Bussen und Lkw aufpassen: Die Fahrzeuge können bei Seitenwind leichter umkippen. Hier sollten Sie immer mehr Abstand halten und vorausschauend fahren.

Grundsätzlich gilt: Müssen Sie mit starken Orkanböen rechnen, sollten Sie Ihr Auto besser zu Hause in einer gesicherten Garage abstellen und damit nicht am Straßenverkehr teilnehmen.

Schnell handeln bei Sturmschäden

Hat ein heftiges Unwetter einen Sturmschaden an Ihrem Auto verursacht, sollten Sie so schnell wie möglich Ihre Kaskoversicherung informieren. Um den Schaden zu melden, haben Sie normalerweise eine Woche Zeit. Schicken Sie auch immer detaillierte Fotos und Angaben zu Ort, Zeit, Unwetter-Warnung und Zeugen mit.

Sollten Sie einmal plötzlich in ein aufziehendes Unwetter gelangen, passen Sie am besten sofort Ihre Geschwindigkeit an und fahren Sie vorausschauend. Vermeiden Sie außerdem riskante Überholmanöver und halten Sie besonders bei Wohnmobilen, Bussen und Lkw genügend Abstand.

Wir wünschen Ihnen allzeit gute Fahrt! Ihre AllSecur

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