Rettungsgasse bilden: Das müssen Sie nach der neuen Regelung 2017 beachten!

Eine Rettungsgasse bilden ist eigentlich ganz einfach. Wir zeigen Ihnen, was sich seit der neuen Regelung 2017 verändert hat und wie die Rettungsgasse auf dreispurigen und vierspurigen Straßen richtig funktioniert. Außerdem erklären wir Ihnen, was Sie bei der Rettungsgasse auf der Autobahn und im Stadtverkehr noch beachten und mit welchen Strafen Sie jetzt rechnen müssen.

Einsatzfahrzeug Blaulicht
Damit die Einsatzkräfte schnell zum Unfallort fahren können, muss eine Rettungsgasse gebildet werden. © gettyimages/artolympic

Seit Anfang 2017 gibt es für die Rettungsgasse eine neue Regelung. Außerdem müssen Autofahrer seit dem 19.10.2017 mit deutlich höheren Strafen rechnen. Wir haben mit Carla Bormann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) gesprochen und erklären Ihnen, was Sie zur Rettungsgasse wissen müssen:

Was ist eine Rettungsgasse?

Bei einem Unfall sind alle Verkehrsteilnehmer nach § 38 Abs. 1 StVO gesetzlich dazu verpflichtet, die Fahrbahn frei zu machen. Es muss eine sogenannte Rettungsgasse, eine freie Spur für Rettungskräfte, gebildet werden. Das kann für Verletzte lebensrettend sein. Denn nur so kommt der Notarzt schnell zum Unfallort.

Wann muss ich eine Rettungsgasse bilden?

Sie müssen schon bei zähem Verkehr beziehungsweise Schrittverkehr (circa 7 bis 10 km/h) eine Rettungsgasse bilden. Denn meistens können Sie nicht sehen, ob einige Kilometer vor Ihnen ein Unfall passiert ist. Bildet sich ein Stau, sollten Sie also immer die Rettungsgasse beachten.

Das bedeutet: Noch bevor die Sirenen und das Blaulicht von Polizei, Notarzt oder Feuerwehr zu hören und zu sehen sind, muss die Rettungsgasse gebildet werden. Nur so können Einsatzkräfte schnell zum Unfallort fahren.

Stau
Schon bei Schrittverkehr müssen Sie normalerweise eine Rettungsgasse bilden. © gettyimages/JuergenBosse

Was muss ich grundsätzlich beachten?

Wenn Sie merken, dass sich ein Stau bildet oder Sie schon die Sirenen der Einsatzkräfte hören können, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Abstand halten: Fahren Sie langsamer und halten Sie fünf Meter Abstand zu Ihrem Vordermann. Vermeiden Sie unnötige Spurwechsel. Nur so haben alle Fahrzeuge genug Platz, um die Rettungsgasse zu bilden.
  • Blinker setzen: Zeigen Sie mit dem Blinker an, in welche Richtung Sie mit Ihrem Auto ausweichen möchten. Dann wissen auch andere Verkehrsteilnehmer und die Rettungsfahrzeuge Bescheid.
  • Fahrzeug parallel hinstellen: Halten Sie im Notfall an, aber stellen Sie Ihr Fahrzeug immer parallel zur Fahrtrichtung auf. Das Heck, also der hintere Teil Ihres Autos, sollte nicht in die Rettungsgasse hineinragen.
  • Standstreifen freihalten: Halten Sie, wenn möglich, den Standstreifen frei. Im Notfall dürfen Sie aber Ihr Fahrzeug zur Hälfte auf die Standspur stellen, um die Rettungsgasse zu bilden.
  • Platz machen: Müssen Sie an einer Kreuzung die Rettungsgasse bilden, dürfen Sie auch über eine rote Ampel ein Stück in die Kreuzung hineinfahren. Achten Sie hier aber unbedingt auf andere Verkehrsteilnehmer.
  • Situation beobachten: Beobachten Sie den Verkehr und versuchen Sie herauszufinden, aus welcher Richtung die Einsatzfahrzeuge kommen. Bevor Sie weiterfahren, sollten Sie sicher sein, dass keine weiteren Rettungskräfte folgen.

Wie bilde ich eine Rettungsgasse?

Wie die Rettungsgasse richtig funktioniert, steht in § 11 Abs. 2 StVO. Hier haben sich seit Anfang des Jahres ein paar Dinge geändert. Wir erklären Ihnen, wie Sie auf zwei- und mehrspurigen Straßen die Rettungsgasse bilden.

Auf zweispurigen Straßen

Auf zweispurigen Straßen mit zwei Fahrstreifen in eine Richtung gilt folgende Regelung für die Rettungsgasse: Fahrzeuge auf der linken Spur fahren nach links an den Fahrbahnrand. Fahrzeug auf der rechten Spur ordnen sich ganz rechts ein. So können die Einsatzkräfte in der Mitte zwischen beiden Spuren zum Unfallort fahren.

Auf zweispurigen Straßen mit einem Fahrstreifen je Richtung fahren Sie immer zum rechten Fahrbahnrand. Das bedeutet, Sie fahren von Ihnen aus gesehen nach rechts auf die Seite. Das gilt, egal auf welchem der beiden Fahrstreifen Sie sich befinden. So kann auch hier in der Mitte der Rettungsdienst problemlos durchfahren.

Das sollten Sie wissen: Vor Ampeln sollten Sie nach rechts ausweichen. Im Notfall dürfen Sie die Haltelinie überqueren. Ist die Ampel grün, sollten Sie nicht einfach weiterfahren, sondern rechts anhalten. Auch Radfahrer und Fußgänger müssen Einsatzfahrzeugen Platz machen und die Rettungskräfte durchlassen.

Grafik Rettungsgasse
So bilden Sie auf einer dreispurigen Straße die Rettungsgasse. © BMVI/DVR-Kampagne „Runter vom Gas“

Auf mehrspurigen Straßen

Um die Rettungsgasse auf dreispurigen Straßen zu bilden, fahren alle Fahrzeuge auf der linken Spur soweit wie möglich nach links. Sind Sie auf dem mittleren oder dem rechten Fahrsteifen unterwegs, müssen Sie nach rechts ausweichen. Die Rettungsgasse wird hier also zwischen der linken und den beiden anderen Fahrspuren gebildet (siehe Grafik oben).

Die Regelung, dass auf vierspurigen Autobahnen die Rettungsgasse in der Mitte gebildet werden muss, gilt seit der Neuerung 2017 nicht mehr. Auch auf vierspurigen Straßen müssen mittlerweile alle Fahrzeuge auf der linken Spur nach links ausweichen. Befahren Sie einen der drei anderen Fahrstreifen, müssen Sie sich bei der Rettungsgasse nach rechts orientieren. Die Einsatzkräfte fahren also zwischen der linken und den drei anderen Spuren zum Unfallort.

Was tun im Stadtverkehr?

„Mitten in der Stadt ist die Situation nicht so einfach“, betont Carla Bormann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). „Sehen Verkehrsteilnehmer im dichten Stadtverkehr plötzlich Blaulicht oder hören das Martinshorn, wissen viele nicht, wohin sie ausweichen sollen. Die meisten Autofahrer reagieren dann oft falsch, zum Beispiel mit plötzlichem Bremsen.“

In diesem Fall sollten Sie aber besser langsam fahren und mit dem Blinker anzeigen, ob Sie nach rechts oder links ausweichen wollen. „In der Stadt kommt es immer darauf an, wie man am besten Platz machen kann. Im Zweifel sollte möglichst am Rand der Fahrspur parallel zur Straße angehalten werden. Außerdem sollte man auf den Abstand zum Vordermann achten“, rät Carla Bormann.

Wenn sich der Verkehr an einer roten Ampel staut, können Sie auch vorsichtig in die freie Kreuzung hineinfahren, um Platz zu machen. „Es darf im Notfall auch über einen Bordstein gefahren werden, wenn so keine Fußgänger oder Fahrradfahrer gefährdet werden“, sagt die Expertin vom DVR.

Die Rechte-Hand-Regel

Mit der sogenannten Rechten-Hand-Regel können Sie sich ganz einfach merken, wie die Rettungsgasse funktioniert. Stellen Sie sich vor, die Lücke zwischen Daumen und Zeigefinger Ihrer rechten Hand ist die Rettungsgasse. Ihr Daumen ist die linke Spur und Zeige-, Mittel- und Ringfinger sind weitere Fahrspuren. Alle Fahrzeuge, die auf der linken Spur (Daumen) fahren, müssen nach links ausweichen. Fahrzeuge, die auf einer der anderen Fahrspuren unterwegs sind (Zeige-, Mittel- und Ringfinger), orientieren sich nach rechts. Die Rettungsgasse (Lücke zwischen Daumen und Zeigefinger) wird immer dazwischen gebildet.

Wer darf die Rettungsgasse benutzen?

In der Rettungsgasse dürfen nur die Einsatzfahrzeuge fahren. Das sind Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr. „Zum Rettungsdienst gehören aber auch Autos mit Notärzten oder Seelsorgern und natürlich dürfen Hilfs- und Abschleppfahrzeuge die Rettungsgasse benutzen“, sagt die Expertin vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat.

Die Rettungsgasse muss bei einem Stau die ganze Zeit bestehen bleiben. Sie dürfen erst wieder weiterfahren und die Gasse auflösen, wenn Sie ein Signal dazu bekommen.

Notarzt bei Herzdruckmassage
Damit Unfallopfern schnell geholfen werden kann, dürfen nur Einsatzkräfte durch die Rettungsgasse fahren. © gettyimages/Chalabala

Darf ich mein Auto auf den Standstreifen stellen?

Bei der Rettungsgasse müssen Sie normalerweise den Standstreifen freihalten. Er ist dafür da, um im Ernstfall die im Stau stehenden Fahrzeuge versorgen zu können. Außerdem kann der Verkehr so von der Polizei an der nächsten Ausfahrt umgeleitet werden.

Im Notfall dürfen Sie die Hälfte Ihres Fahrzeugs auf die Standspur stellen, um anderen Autos Platz zu machen. Das gilt aber nur, wenn sonst keine ausreichend breite Rettungsgasse für die Einsatzkräfte gebildet werden kann.

Das sollten Sie wissen: Bei einem Stau oder Unfall dürfen Sie nicht einfach auf dem Standstreifen bis zur nächsten Ausfahrt weiterfahren. Das kostet 75 Euro Strafe und einen Punkt in Flensburg. Sie dürfen nur auf dem Standstreifen fahren, wenn Schilder oder die Polizei anzeigen, dass er als Fahrspur genutzt werden kann.

Warum funktioniert die Rettungsgasse oft nicht?

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Rettungsgasse im Notfall oft nicht funktioniert. „Viele Verkehrsteilnehmer wissen nicht, wie die Rettungsgasse gebildet wird oder sind unsicher. Sie handeln dann in bester Absicht, aber leider falsch“, sagt Carla Bormann.

Im Ort kommt es vor, dass Autofahrer mitten auf der Straße stehen bleiben. Manchmal wird auch in eine Seitenstraße ausgewichen, in die der Rettungswagen einbiegen will. „Wird auf der Autobahn erst rangiert, wenn Einsatzfahrzeuge zu hören oder zu sehen sind, ist das oft zu spät“, so die Expertin vom DVR.

Deshalb gilt: Alle Verkehrsteilnehmer auf der linken Fahrspur müssen sich bei stockendem Verkehr links halten. Wenn Sie eine andere Fahrspur (die rechte oder die mittlere Spur) nutzen, orientieren Sie sich nach rechts. So ist die Rettungsgasse schnell gebildet und für Rettungsfahrzeuge frei. „Leider gibt es auch immer schwarze Schafe, die sich absichtlich nicht an die Regeln halten. Diese Rücksichtslosigkeit, die anderen Menschen das Leben kosten kann, wird jetzt höher bestraft“, sagt Carla Bormann.

Wo gilt die Rettungsgasse in Europa?

In Deutschland wurde die Rettungsgasse im Jahr 1982 offiziell beschlossen und in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen.

„In Österreich und der Schweiz wird die Rettungsgasse wie in Deutschland gebildet“, erklärt die Expertin vom DVR. Spanien, Kroatien, Italien und Frankreich haben aber zum Beispiel keine klaren Regelungen dazu. „Es gibt in den meisten anderen europäischen Ländern nur die Aufforderung, im Notfall Gassen für Rettungsfahrzeuge freizumachen.“

Standstreifen
Den Standstreifen (ganz rechts im Bild) dürfen Sie in Deutschland nur im Notfall für die Rettungsgasse nutzen. © gettyimages/Roman_Gorielov

Welche Strafen drohen bei Behinderung der Einsatzkräfte?

Vor der neuen Regelung mussten Autofahrer nur 20 Euro Bußgeld zahlen, wenn sie bei einem Stau oder Unfall keine Rettungsgasse gebildet haben. Punkte in Flensburg gab es nicht. Die Regelung hat sich seit dem 19.10.2017 aber geändert. Mittlerweile müssen Sie mit deutlich höheren Strafen rechnen, wie Sie unten in unserer Tabelle sehen können.

„Es ist gut, dass es härtere Strafen gibt. Das Verhalten einiger Verkehrsteilnehmer ist oft rücksichtslos und behindert die Rettungsarbeiten. Vor allem, wenn Autofahrer die Rettungsgasse selbst nutzen, um schneller voranzukommen oder um am Unfallort Handyfotos zu schießen“, sagt Carla Bormann. Es gilt also: Machen Sie sich bewusst, dass im Notfall jede Unterstützung und jede Minute für die Unfallopfer zählt.

Wird die Rettungsgasse nicht richtig gebildet, gibt es seit dem 19.10.2017 folgende Strafen:

Falsches Verhalten Bußgeld Punkte Fahrverbot
Verhalten: Bei stockendem Verkehr wurde keine Rettungsgasse gebildet Bußgeld: 200 Euro Punkte: 2 Fahrverbot: Kein Fahrverbot
Verhalten: mit Behinderung Bußgeld: 240 Euro Punkte: 2 Fahrverbot: 1 Monat
Verhalten: mit Gefährdung Bußgeld: 280 Euro Punkte: 2 Fahrverbot: 1 Monat
Verhalten: mit Sachbeschädigung Bußgeld: 320 Euro Punkte: 2 Fahrverbot: 1 Monat
Verhalten: Trotz Blaulicht wurde den Rettungskräften der Weg nicht frei gemacht Bußgeld: 240 Euro Punkte: 2 Fahrverbot: 1 Monat
Verhalten: mit Gefährdung Bußgeld: 280 Euro Punkte: 2 Fahrverbot: 1 Monat
Verhalten: Sachbeschädigung Bußgeld: 320 Euro Punkte: 2 Fahrverbot: 1 Monat

Das sollten Sie wissen: Wenn Sie die Rettungsgasse nicht richtig bilden, ist das eine Ordnungswidrigkeit. In dem Fall müssen Sie mit den oben in der Tabelle aufgelisteten Strafen rechnen. Sollten Sie aber absichtlich die Rettungsgasse blockieren oder die Arbeit der Einsatzkräfte behindern, ist das nach § 315c StGB eine Verkehrsstraftat (Gefährdung des Straßenverkehrs). Das gilt zum Beispiel, wenn Sie dem Krankenwagen in der Rettungsgasse nachfahren oder wenn Sie in der Rettungsgasse entgegen der Fahrtrichtung (sozusagen als Geisterfahrer) fahren. In dem Fall müssen Sie mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren rechnen.

Auf alles vorbereitet

Sie wissen jetzt, wie Sie die Rettungsgasse auf zweispurigen, dreispurigen und vierspurigen Straßen richtig bilden. Sobald Sie auf einen Stau zufahren oder der Verkehr auf der Autobahn stockt, sollten Sie sofort an die Rettungsgasse denken. Denn Sie wissen nicht, ob vor Ihnen nur eine Baustelle oder doch ein Unfall für die Verzögerung verantwortlich ist. Handeln Sie also schnell und richtig, damit die Einsatzkräfte problemlos zum Unfallort fahren können.

Außerdem gilt: Um bei einem Unfall im Straßenverkehr schnell helfen zu können, sollten Sie regelmäßig die Maßnahmen aus dem Erste-Hilfe-Kurs auffrischen.

Sind Sie selbst einmal in einen Unfall verwickelt, hilft Ihnen die Kfz-Haftpflichtversicherung der AllSecur. Informieren Sie sich auch über die Teilkaskoversicherung und die Vollkaskoversicherung.

Wir wünschen Ihnen allzeit gute Fahrt! Ihre AllSecur

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