Marderschaden am Auto & im Haus

Angeknabberte Autokabel und Jungtiere auf dem Dachboden: Der Marder hat sich schon lange an uns Menschen gewöhnt und unsere Siedlungen zu seinem Revier erklärt. Dabei richtet er leider auch oft Schäden an. Erfahren Sie, warum das so ist, wie Sie Marderschäden erkennen und was Sie dagegen tun können.

Steinmarder

Steinmarder © iStock/scigelova

Es ist der Steinmarder, der sich in unseren Motorräumen und Dachböden einnistet. Denn er hat schnell festgestellt, dass die Lebensbedingungen in den Städten für ihn besser sind. So putzig er auch aussieht, er kann erhebliche Schäden anrichten, die hohe Kosten verursachen. Ob im Auto oder am Haus, wir erklären Ihnen, was Sie über den Marder wissen müssen.


Marderschaden am Auto

Als Marderschäden werden Schäden am Auto bezeichnet, die durch Bisse von Mardern entstehen. Zwar sind die Schadensfälle in den letzten Jahren etwas zurückgegangen, doch die kleinen Bisse können teure Folgeschäden verursachen. Um nicht (erneut) selbst davon betroffen zu sein, klären wir die wichtigsten Fragen zu Marderschäden am Auto für Sie:


Warum gehen Marder an Autos?

Marder sind sehr neugierige, aufgeweckte Tiere. Nachaktiv erkunden sie in der Dunkelheit gerne ihre Umgebung. Als Einzelgänger beanspruchen Marder ein relativ großes Revier, in dem sie ständig zwischen mehreren Verstecken hin und her wechseln. Leider ist auch der Motorraum eines geparkten Autos für einen Marder ein gutes Versteck vor Licht, Lärm und vorbeilaufende Menschen.

Warum beißen Marder Kabel?

Marder sind Einzelgänger und markieren ihr Revier mit Duftmarken – so auch im Motorraum. Erkundet nun ein anderer Marder diesen, wenn Sie Ihr Auto beispielsweise an verschiedenen Orten parken, provoziert der Geruch des vorherigen Marders und macht das Tier aggressiv. Dann will er den Geruch „wegbeißen“ und attackiert Kabel, Schläuche und Co. Am kritischsten ist das in der Paarungszeit von März bis Juni/Juli – sie gilt daher als Mardersaison.

Welche Autoteile sind besonders betroffen?

Ein beschädigtes Motorteil ist im Normalfall nicht das Problem, sondern die Folgeschäden, die hohe Kosten und Gefahren nach sich ziehen können und meist erst nach einiger Zeit erkannt werden. So können zum Beispiel zerstörte Schläuche und Kabel irgendwann das Triebwerk überhitzen und einen Motorschaden zur Folge haben oder aber angebissene Gummimanschetten mit der Zeit die Lenkung beeinträchtigen.

Schläuche und Kabel

Am häufigsten betroffen von Marderbiss sind Schläuche, Kabel und Dämmmatten © iStock/ShootingRichard

Folgenden Teile im Motor sind oft von Marderbiss betroffen:
  • Schläuche für Kühl- und Scheibenwischwasser
  • Stromkabel und deren Isolierungen
  • Zündkabel
  • Faltenbälge für Antrieb und Lenkung
  • Dämm- und Isoliermatten
  • Eher selten: Bremsschläuche, Kraftstoffleitungen, Keilriemen und Reifen


Was sollte ich bei einem Marderschaden tun?

In wenigen Fällen wird das Auto komplett lahmgelegt und so bemerken Sie die Folgen oft erst während des Betriebs. Daher sollten Sie vor allem in der Mardersaison Ihren Motorraum regelmäßig überprüfen. Akute Folgen sind gewöhnlich nicht so schlimm und schnell zu beheben. Meist werden erst die Folgeschäden teuer.

Woran erkenne ich einen Marderschaden?

Ein Leistungsabfall oder ein Blinken der Kontrollleuchten kann oft ein Indiz für einen Marderschaden sein. Dann sollten Sie unbedingt die nächste Werkstatt aufsuchen.

Erkennen Sie Fußabdrücke oder Marderhaare auf der Karosserie oder im Motorraum, riecht es nach Sekret oder Fäkalien oder entdecken Sie Bisspuren an Kabeln und Schläuchen oder gar zerfledderte Isoliermatten, sollten Sie unbedingt einen Profi einen Blick in Ihren Motorraum werfen lassen.

Marderspuren auf der Motorhaube

Marderspuren auf der Karosserie: Werfen Sie einen vorsorglichen Blick unter die Motorhaube © iStock/StGrafix

Was kostet ein Marderschaden?

Der Gesamtverband der deutschen Wirtschaft zeigt in einer Statistik, dass es 2014 zu 216.000 Schäden nach Marderbissen kam, die Versicherungsleistungen beliefen sich hierfür auf 64 Millionen Euro – im Schnitt sind das ca. 296 Euro pro Schaden. Im Vergleich zum Jahr 2010, in dem es durchschnittlich noch etwa 254 Euro waren.


Marderschaden und Versicherung: Wer zahlt?

Folgeschäden können schnell fünfstellig werden, eine Versicherung kann Ihnen deshalb Kosten und Ärger ersparen. Hierbei gibt es aber einiges zu beachten, lesen Sie deshalb die Versicherungspolice immer genau durch.

Die Haftpflicht einer Autoversicherung haftet im Falle eines Marderschadens nicht. Auch nicht jede Teilkasko übernimmt die Kosten für Bisse, meist bieten Versicherungen diese erst in Zusatztarifen an. Hier sollten Sie beachten, dass dabei oft eine Eigenbeteiligung selbst übernommen werden muss, das sind meist etwa 150 Euro pro Schadensfall.

Gewöhnlich werden auch nur die Kosten für direkte Schäden, aber nicht für Folgeschäden übernommen. Im schlimmsten Fall wird Ihnen der angenagte Bremsschlauch also ersetzt, aber nicht der folgenschwere Unfall. Auch Vollkaskos erstatten meist nur die direkten Schäden. In Gebieten mit hoher Marderaktivität sollten Sie daher am besten über spezielle Marder- oder Zusatzversicherungen nachdenken – das kann sich schnell lohnen.


Marderschaden vorbeugen und verhindern?

Haben Sie einen Marderschaden erlitten, sollten Sie unbedingt eine Motorreinigung durchführen, um die Geruchsmarken der Marder gänzlich zu entfernen. Um ein erneutes Einnisten zu verhindern, sollen die folgenden Methoden helfen:

  • Einen engmaschigen Draht unter dem Motor betreten Marder nicht gerne.
  • Metallplättchen, die Stromschläge absondern, vertreiben Marder ohne deren Gesundheit zu gefährden – sie sollten an den Einstiegsorten befestigt werden.
  • Marderduftmarkenentferner-Sprays sollen helfen, die Geruchsmarken zu entfernen.
  • Ultraschallwellen, deren Frequenz wir nicht hören, Marder aber als unangenehm empfinden, sollen die Tiere vertreiben.

Marder-Verteidigung durch Strom

Stromschläge können helfen, Marder den Einstieg zu verwehren © iStock/Philmoto

Bedenken Sie aber immer, dass Marder von diesen Maßnahmen zwar zunächst abgeschreckt werden, sich dann aber schnell daran gewöhnen können. Der effektivste Schutz ist daher die komplette Abschottung des Motorraums oder zumindest der empfindlichsten Bauteile.


Marder in Haus und Garten


Marder in Haus und Garten

Nicht nur im Motorraum können Marder überraschen, manche Hausbesitzer werden auch nachts durch plötzlichen Lärm auf dem Dachboden geweckt. Denn dort, aber auch im Garten, nisten sich die Tiere gerne ein. Probleme, Maßnahmen und Ursachen – wir klären Sie über alles Wichtige auf:


Wo wohnen Marder?

Schon immer lebten Steinmarder am liebsten in Felsspalten und kleinen Höhlen. Da sie als Kulturfolger nun auch in den menschlichen Siedlungen wohnen, findet man sie hier bevorzugt in Mauern, Schuppen, Steinhaufen, aber auch – für uns am besorgniserregendsten – auf den Dachböden.

In ihrem recht großen Revier legen sie oft lange Strecken zurück und wechseln dabei meist zwischen ihren vielen Verstecken. Wenn Sie denken, dass der Marder Ihr Dach wieder verlassen hat kann es sein, dass er derzeit nur in einem seiner anderen Verstecke weilt.


Wie erkenne ich einen Marder im Haus?

Marder sind nachtaktiv, viele Bewohner werden daher erst nach einiger Zeit durch nächtliches Poltern auf dem Dachboden auf die neuen Untermieter aufmerksam - besonders, wenn die Jungtiere aufgezogen werden. Aber auch Marderfäkalien, Fellbüschel, Kratzspuren an Pflanzen und Hausfassade oder Aas- und Nahrungsreste können auf die Nager hinweisen.

Wie kommen Marder unter das Dach?

Steinmarder können sehr gut klettern und sogar über zwei Meter weit springen. Sie gelangen daher über Bäume, Pflanzen, Regenrinnen oder Wände aufs Dach. Schon kleine Belüftungsschlitze, Mauerlöcher oder lockere Dachziegel reichen, um in Zwischendecken und Hohlräume zu gelangen. Marder haben immer mehrere Fluchtwege und daher auch mehrere Eingänge.

Steinmarder springt

Marder können über zwei Meter weit springen © iStock/scigelova

Welche Schäden können Marder anrichten?

Marder wühlen sich Tunnelgänge durch die Dachisolierung, sodass diese ihre Dämmwirkung verliert. Noch kritischer wird es, wenn sie an Leitungen, Strom- und Antennenkabeln oder Elementen einer Solaranlage nagen – denn das kann hohe Reparaturkosten zur Folge haben. Diese können auch auf Sie zukommen, wenn das Tier die Fassade zerkratzt oder gar Aas mit ins Haus schleppt, sodass sich Maden und Fliegen bilden. Außerdem können Marder auch Krankheiten wie Tollwut übertragen.

 

Da Steinmarder sehr reinliche Tiere sind, trennen sie Schlafplatz, Speisekammer und Toilette. Der Urin kann dann an der immer selben Stelle in den Boden eindringen und diesen beschädigen oder durch den Geruch sehr unangenehm werden.


Marderschaden im Haus und Versicherung: Wer zahlt?

Die Marderschäden im Dach können oft hohe Kosten nach sich ziehen. Eine Hausratsversicherung deckt diese nicht ab, denn grundsätzlich versichert die Wohngebäudeversicherung das Eigenheim. Diese greift gewöhnlich nur bei Schädigung durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel.

Wollen Sie sich also gegen Wildtierschäden schützen, sollten Sie auf einen erweiterten Schutz für diese in der Versicherungspolice achten. Haben Sie eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, deckt eine extra Versicherung für diese im Normalfall auch Marderschäden ab.


Wie vertreibe ich einen Marder vom Dach?

Viele versuchen Marder mit Gerüchen und lauter Musik, Klopfen oder Ultraschall zu vertreiben. Das gestaltet dem Marder den Aufenthalt zwar unangenehm, er wechselt aber gewöhnlich nur eine Zeit lang sein Versteck und kommt dann wieder.

Marderfallen töten die Tiere, da Marder aber dem Jagdrecht unterliegen, dürfen sie nicht von Laien aufgestellt werden. Außerdem bietet auch das auf Dauer keinen Schutz, denn ein anderer Marder wird dann vermutlich die Behausung übernehmen.

Welche Methoden helfen wirklich?

Auf Dauer hilft nur, die Schlupflöcher zu finden und zu verschließen. Um diese zu erkennen, können Sie Kratzspuren an der Fassade suchen oder eine Sandfläche um Ihr Haus anlegen, um die Spuren zu erkennen.

Aber Vorsicht! Die Löcher sollten nicht verschlossen werden, wenn das Tier im Haus ist und schon gar nicht, wenn der Marder Jungtiere hat. Sonst verhungern die Nager oder richten beim Ausbrechen noch mehr Schaden an. Grundsätzlich wird empfohlen, sich beim Vertreiben professionelle Unterstützung zu holen.

Lücken im Dach sind Schlupflöcher für Marder

Schon kleine Lücken im Dach können Schlupflöcher für Marder werden. © iStock/morrbyte

Wie kann ich einem Marderschaden vorbeugen?

Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Dachboden und achten Sie darauf, dass es keine Schlupflöcher für Marder gibt. Zwar sollte es dann nicht so weit kommen, trotzdem können Sie auch präventiv alle Leitungen und Kabel abschotten.


Der Marder

Marder ist ein sehr weitläufiger Begriff und deckt unter anderem auch Hermeline, Fischotter und sogar Dachse ab. Zu den „echten Mardern“ zählen in Deutschland aber nur zwei Arten: der Baum- und der Steinmarder.

Während Baummarder im Wald oder auch mal im Park leben, sind uns die Steinmarder in die Stadt gefolgt. Als nachtaktive Einzelgänger bekommen wir Sie zwar selten zu Gesicht, doch erkunden sie recht große Streifgebiete von ca. 10 bis 200 Hektar. Ihr Revier markieren sie mit einem Sekret, um es gegen Artgenossen zu verteidigen.

Revierkämpfe zur Paarungszeit

Anders als von vielen angenommen, halten Marder keinen Winterschlaf und suchen daher auch in der kalten Jahreszeit gerne den noch warmen Motorraum von Autos auf. Zu Revierkämpfen und zu von Mardern verursachten Motorschäden kommt es aber hauptsächlich zwischen März und Juni/Juli, der Paarungszeit der Tiere.

Marder im Schnee

Wissen viele nicht: Marder halten keinen Winterschlaf © iStock/SeventhDayPhotography

Marder werden zwischen 3 und 10 Jahre alt. Ab dem zweiten Lebensjahr sind sie geschlechtsreif und paaren sich, bis im darauffolgenden April meist 3-5 Jungtiere zur Welt kommen. Diese sind anfangs blind und werden zwei Monate von der Mutter versorgt. Ende September sind sie schon selbstständig.

Deftige Strafen für die illegale Marderjagd

Einige Marderarten stehen unter Artenschutz, das trifft jedoch nicht auf den Steinmarder zu. Er unterliegt aber dem Jagdrecht und darf daher nur mit Jagdschein gejagt werden. Aber auch hier gibt es einiges zu beachten, wie beispielweise die Schonzeit der Tiere. Die illegale Jagd von Mardern kann mit Bußgeldern bis zu 5.000 Euro oder sogar 5-jähriger Freiheitsstrafe bestraft werden.