Die Führerschein-Probezeit: Alle Informationen zu Dauer, Regeln und Verlängerung

Rund um die Führerschein-Probezeit gibt es viele Fragen: Was genau ist die Probezeit? Wie lange dauert sie? Und was passiert, wenn ich gegen Regeln verstoße? Wir klären Sie über Dauer, Bußgeld, Verlängerung und Strafen auf. So erfahren Sie als Fahranfänger alles, was Sie über die Probezeit wissen müssen.

Verkehrschilder und Führerschein

In der Führerschein-Probezeit müssen Sie einige Regeln beachten. © iStock/Stadtratte

Haben Sie Ihre Fahrprüfung erfolgreich bestanden, erhalten Sie Ihren lang ersehnten Führerschein. Jetzt folgt die nächste Bewährungsprobe: die Probezeit. Wir erklären Ihnen als Fahranfänger alles, was Sie dazu wissen müssen:

Die wichtigsten Eckdaten zur Führerschein-Probezeit

Regelverstöße in der Probezeit: Das müssen Sie beachten

Strafmaß in der Probezeit: Welche Folgen kann ein Verstoß haben?

Führerschein-Probezeit beendet


Die wichtigsten Eckdaten zur Führerschein-Probezeit

Die Führerschein-Probezeit muss jeder einmal erfolgreich absolvieren.

Warum gibt es die Probezeit?

Die Probezeit gibt es in Deutschland seit 1986. Grund war eine steigende Anzahl an Verkehrsunfällen mit Fahranfängern. Die Probezeit soll mit strengeren Regeln feststellen, ob der Fahranfänger für die Teilnahme am Verkehr geeignet ist.

Die Regeln, die während der Probezeit gelten, stehen im Straßenverkehrsgesetz. Seit der Einführung 1986 wurden sie nicht großartig verändert. Das Strafmaß wurde für manche Verstöße aber angehoben. Ein Beispiel ist die Einführung der 0-Promille-Grenze im Jahr 2009.


Für wen gilt die Probezeit?

Die Probezeit gilt für alle Fahranfänger der Führerscheinklassen A (Motorräder), B (Pkw), C (Lkw) und D (Bus) in Deutschland. Sie gilt nicht für die Fahrzeugklassen L und T für Mofas und auch forst- und landwirtschaftliche Zugmaschinen.

Es ist eine einmalige Bewährungsprobe. Das heißt, jeder Fahranfänger muss die Probezeit nur einmal erfolgreich bestehen.

Wenn der Fahrer während oder nach der Probezeit einen zweiten Führerschein in einer anderen Führerscheinklasse macht, gibt es keine zweite Probezeit. Machen Sie beispielsweise mit 16 den Führerschein der Klasse A1 und bestehen nach der erfolgreich durchlaufenen Probezeit Ihren Autoführerschein, gibt es für Ihre Pkw-Fahrerlaubnis keine Probezeit mehr.


Wann beginnt und wie lange dauert die Probezeit?

Die Probezeit dauert zwei Jahre und startet, nachdem Sie Ihren Führerschein bekommen haben. Dabei ist es egal, ob Sie als Fahranfänger in dieser Zeit tatsächlich fahren, oder das Auto zwei Jahre stehen lassen.

Die Probezeit kann nicht verkürzt, aber bei einem schwerwiegenden Verstoß gegen die Verkehrsregeln auf vier Jahre verlängert werden.


Was muss ich in der Probezeit beachten?

Während der Führerschein-Probezeit gelten für den Fahranfänger einige verschärfte Regeln. Diese Regelverstöße werden in A-Delikte (sehr schwerwiegend) und B-Delikte (schwerwiegend) unterteilt. Für jeden Verstoß müssen Sie mindestens ein Bußgeld von 40 Euro bezahlen und bekommen mindestens einen Punkt in Flensburg. Die Anzahl der A- und B-Vergehen entscheidet darüber, ob die Probezeit verlängert werden muss, oder ob Sie Ihren Führerschein sogar ganz abgeben müssen.

Fahranfängerin

Während Ihrer Probezeit gelten verschärfte Regeln. ©iStock/kali9


Welche Besonderheiten gibt es beim begleiteten Fahren mit 17?

Die Dauer der Probezeit und die Strafen bei Regelverstößen unterscheiden sich nicht vom Führerschein ab 18. Wenn Fahrer und Begleitperson zusammen Autofahren, müssen sich beide an die Verkehrsregeln und Vorschriften halten.

Genau wie der Fahranfänger muss auch die Begleitperson eine Promillegrenze und das Drogenverbot einhalten. Für die Begleitperson liegt die Promillegrenze bei 0,5 und für den Fahranfänger bei 0,0. Wer sich nicht daran hält, muss Bußgelder bezahlen und bekommt Punkte. Bei mehr als einem Punkt, verliert die Begleitperson ihr „Amt“.

Das Fahren ohne Begleitperson zählt zu den sehr schwerwiegenden A-Verstößen und kann dazu führen, dass Sie als Fahranfänger Ihren Führerschein verlieren.


Regelverstöße in der Probezeit: Das müssen Sie beachten

Wie hoch die Strafe ist hängt davon ab, ob es ein sogenanntes A- oder B-Delikt ist. Sie werden im Straßenverkehrsgesetz folgendermaßen definiert.

Welche sehr schwerwiegenden Verstöße gelten als A-Delikte?

Das sind A-Delikte:

  • Unterlassene Hilfeleistung: Sie beobachten als Autofahrer einen Unfall, achten nicht darauf oder fahren vorbei. Sie kontrollieren nicht, ob Hilfe benötigt wird oder Personen verletzt wurden.
  • Körperverletzung: Nach einem Unfall geraten zwei Fahrer im Streit aneinander. Fahrer A wird sauer und gibt Fahrer B eine Ohrfeige.
  • Nötigung: Fahrer A fährt Fahrer B dicht auf. Weil er den Abstand nicht korrekt einhält, muss Fahrer B seine Geschwindigkeit anpassen, um einen Auffahrunfall zu vermeiden.
  • Fahrlässige Tötung: Fahrer A hat Alkohol getrunken und überfährt einen Menschen. Dafür kann er wegen fahrlässiger Tötung angeklagt werden. Der Fahrer hätte den Unfall verhindern können, wenn er nüchtern gefahren wäre.
  • Fahrerflucht: Fahrer A macht einen Kratzer in ein anderes Auto und fährt weg, ohne ihn zu melden. Damit begeht er Fahrerflucht.
  • Fahren unter Alkohol- (0-Promille Grenze), Drogen-, oder Medikamenteneinfluss: Fahrer A ist auf eine Party eingeladen. Er darf nur mit dem Auto nach Hause fahren, wenn er 0 Promille hat.
  • Fahren ohne Fahrerlaubnis oder das Fahren ohne Begleitperson für Fahrer unter 18: Der 17-jährige Fahrer A fährt Auto ohne dass seine eingetragene Begleitperson daneben sitzt.

Alkohol am Steuer

Alkohol ist bei Fahrern in der Probezeit verboten. © iStock/sestovic

Es gibt Regelverstöße, die eine Gefährdung des Straßenverkehrs darstellen. Das sind zum Beispiel:

  • Nichtbeachten der Vorfahrt: Missachten Sie beispielsweise ein Rechts-vor-Links.
  • Falsches Überholen: Ist beispielsweise Unterschied der Geschwindigkeit zu gering oder wird der nachfolgende Verkehr nicht beachtet.
  • Falsches Fahren an Fußgängerüberwegen: Fahren Sie zum Beispiel mit zu hoher Geschwindigkeit über den Fußgängerüberweg.
  • Zu schnelles Fahren an unübersichtlichen Stellen, Straßenkreuzungen, Straßeneinmündungen oder Bahnübergängen: Die richtige Geschwindigkeit hat der Fahrer, wenn er im Rahmen der Geschwindigkeitsbegrenzung verkehrsgerecht reagieren kann. So kann die Geschwindigkeitsbegrenzung innerorts beispielsweise bei 50 km/h liegen. Beim Abbiegen sollte der Fahrer aber deutlich langsamer fahren, um rechtzeitig für querende Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger oder Radfahrer bremsen zu können.
  • Nichteinhalten der rechten Fahrbahnhälfte an unübersichtlichen Stellen: Der Mittelstreifen gilt hier als Grenzmarkierung. Aber auch ohne Mittelstreifen muss der Fahrer bei Gegenverkehr, an Kuppen, in Kurven und wenn er selbst überholt wird, versuchen möglichst weit rechts zu fahren.
  • Wenden/Rückwärtsfahren oder Fahren entgegen der Fahrtrichtung auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen: Das Rückwärtsfahren auf Stadtstraßen ist nur erlaubt, wenn nachweislich keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert werden, wenn Sie Ein- und Ausparken oder wenn die Straße zu schmal für zwei vorbeifahrende Autos ist.
  • Fehlende Kennzeichnung haltender oder liegengebliebener Fahrzeuge: Das ist wichtig, wenn es zur Sicherung des Verkehrs notwendig ist.
  • Geschwindigkeitsüberschreitungen ab 21 km/h: Fahren Sie beispielsweise in der 50er-Zone innerorts 71 km/h.
  • Missachten einer roten Ampel: Das gilt auch, wenn die Ampel noch keine ganze Sekunde rot ist.
  • Zu geringer Sicherheitsabstand bei mehr als 80 km/h:  Der Richtwert beim Abstand ist der halbe Tachowert, beispielsweise 35 Meter bei 70 km/h.

Rote Ampel

Eine überfahrene rote Ampel ist ein A-Delikt. © iStock/monticelllo


Welche schwerwiegenden Verstöße sind B-Delikte?

Das sind Beispiele für B-Delikte:

  • Behinderung von Radfahrern oder Fußgängern beim Abbiegen
  • Parken im unerlaubten Bereich
  • Nichtbeachten eines Stoppschildes
  • Unzureichendes Reifenprofil: Die gesetzliche Mindestprofiltiefe ist 1,6 mm.
  • Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung
  • Überziehung des Termins zur Haupt- und Abgasuntersuchung: Ab mehr als 8 Monaten ist das ein B-Delikt.
  • Behinderung von Polizei, Feuerwehr oder Notarztwagen
  • Ungesicherte Ladung
  • Kennzeichenmissbrauch: Wer an einem nicht zugelassenen Auto ein gültiges Kennzeichen anbringt, macht sich strafbar.  
  • Mitnahme von Kindern ohne Kindersitz: Damit ein Kind ohne Kindersitz fahren darf, muss es entweder über 12 Jahre alt oder größer als 150 cm sein.
  • Fahren ohne Licht bei Sichtbehinderung: Bei Nebel, Schnee und Regen müssen Sie mit Licht fahren.


Strafmaß in der Probezeit: Welche Folgen kann ein Verstoß haben?

Bei einem Verkehrsvergehen zahlen Sie als Fahranfänger in der Probezeit das gleiche Bußgeld wie erfahrene Kraftfahrzeugfahrer. Für ein A- oder B-Delikt in der Probezeit müssen Sie aber mindestens 40 Euro zahlen. Die Höhe der Bußgelder finden Sie im offiziellen Bußgeldkatalog.

Der Fahranfänger bekommt für jeden Verstoß mindestens einen Punkt in Flensburg. Im Unterschied zu erfahrenen Kraftfahrern können diese Punkte während der Probezeit nicht abgebaut werden. Sie bleiben während der gesamten Probezeit.

Zusätzlich zu Bußgeldern und Punkten können je nach Vergehen Aufbauseminare und verkehrspsychologische Beratungen angeordnet werden. Die Reihenfolge der disziplinarischen Maßnahmen und Strafen wird in dieser Grafik dargestellt:

Infografik zur Probezeit nach dem Führerschein

Das passiert nach einem Verkehrsdelikt. Sie können die Grafik als PDF ansehen.

Wann muss ich in ein Aufbauseminar?

Begehen Sie als Fahranfänger einmal einen A-Verstoß oder zweimal einen B-Verstoß, müssen Sie an einem Aufbauseminar teilnehmen. Das ist ein neunstündiger Kurs, den Sie in einer Fahrschule machen müssen.

In diesem Kurs werden die Verstöße besprochen und zukünftiges Verhalten geklärt. Als Fahrer müssen Sie dann eine Probefahrt mit einem Fahrlehrer machen, die analysiert und bewertet wird. Waren beim Verkehrsverstoß des Fahranfängers Drogen oder Alkohol die Ursache, wird der Fahrlehrer von einem Psychologen unterstützt.

Wie viel das Aufbauseminar kostet, bestimmt die Fahrschule. Meistens sind es ungefähr 250–500 Euro.


Wann muss ich in die verkehrspsychologische Beratung (VPB)?

Obwohl Sie das Aufbauseminar erfolgreich beendet haben, verstoßen Sie als Fahranfänger wieder gegen Straßenregeln. Dann wird eine verkehrspsychologische Beratung empfohlen, die müssen das aber nicht machen. Nehmen Sie als Fahrer nicht daran teil, hat das keine strafrechtlichen Folgen.

Im persönlichen Gespräch mit einem Psychologen wird versucht, Probleme zu identifizieren und Lösungen zu erarbeiten. Als Fahranfänger sollen Sie über Ihr eigenes Verhalten nachdenken und lernen, Risiken besser einzuschätzen.

Die Beratung dauert drei Stunden und kostet etwa 300 Euro.


Wann muss ich in die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU)?

Wenn Sie als Fahrer Ihren Führerschein für mindestens sechs Monate an die Fahrerlaubnisbehörde abgeben müssen, werden Sie zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung geschickt.

Ein Arzt und ein Psychologe beurteilen dort, ob Sie Ihren Führerschein zurückbekommen, oder nicht.  

Sie als Autofahrer müssen deswegen einen Konzentrations- und Reaktionstest machen, einen Fragebogen ausfüllen und an einer medizinischen Untersuchung teilnehmen.

Fahrstunde im Auto

Im Aufbauseminar werden wichtige Verkehrsregeln wiederholt. © iStock/YinYang


Führerschein-Probezeit beendet: Was gilt für die Zeit danach?

Haben Sie die Probezeit mit oder ohne Verlängerung erfolgreich gemeistert, werden Verkehrsverstöße in Zukunft mit Bußgeldern und Punkten bestraft. Diese Punkte können dann durch das Besuchen spezieller Seminare oder Verjährung reduziert werden.

Anzahl der Punkte

Vergehen

Beispiel des Verstoßes / der Straftat

Verjährung

1 Punkt

Schwerer Verstoß
(B-Delikt)

Fehlerhafte oder defekte Beleuchtung

Zweieinhalb Jahre

2 Punkte

Sehr schwerer Verstoß (A-Delikt)

Alkohol und Drogen am Steuer

Mindestens fünf Jahre

3 Punkte

Straftat: der Führerschein wird entzogen (A-Delikt)

Unterlassene Hilfeleistung oder fahrlässige Tötung

Zehn Jahre

 

Das kann passieren, wenn Sie mehrere Punkte in Flensburg haben:

  • 1-3 Punkte: Das Kraftfahrt-Bundesamt merkt Sie als Autofahrer vor. Sie müssen aber keine Strafe zahlen.
  • 4-5 Punkte: Sie werden ermahnt und müssen Geld bezahlen. Sie können an einem freiwilligen Punkteabbauseminar teilnehmen.
  • 6-7 Punkte: Sie müssen Geld bezahlen. Das Kraftfahrt-Bundesamt empfiehlt Ihnen an einem Fahreignungsseminar teilzunehmen. Dieses Seminar ist freiwillig und baut keine Punkte ab.
  • 8 Punkte: Sie müssen Ihren Führerschein bis zu sechs Monate abgeben. Haben Sie erfolgreich an einer medizinisch-psychologischen Untersuchung teilgenommen, bekommen Sie Ihren Führerschein zurück.

Abgesichert im Straßenverkehr: Kfz-Versicherung für Fahranfänger

Auch bei großer Vorsicht und Umsicht sind Sie als Autofahrer nicht 100-prozentig geschützt. Zwar beeinflusst eine Kfz-Versicherung weder Dauer, Verlängerung oder Bußgeldzahlungen während Ihrer Führerschein-Probezeit, sie schützt Sie aber vor hohen Kosten bei unerwarteten Schäden oder Unfällen.

In unserem AllSecur Kfz-Rechner haben Sie die Möglichkeit in nur wenigen Minuten Ihre Versicherungsprämie zu berechnen.

Wir wünschen Ihnen gute Fahrt und erfolgreiches Gelingen während der gesamten Dauer Ihrer Probezeit! Ihre AllSecur