Fahrerflucht: Zahlt die Versicherung bei Unfallflucht?

Die Kfz-Haftpflichtversicherung zahlt nicht bei Fahrerflucht. Nur eine Vollkaskoversicherung bietet ausreichend Schutz, damit Sie bei einer Unfallflucht im schlimmsten Fall nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Wir erklären Ihnen, welche Möglichkeiten Sie haben und welche Versicherung zahlt, wenn der Täter gefunden wird. Außerdem erfahren Sie, welche Strafen es für Fahrerflucht gibt. Denn es gilt: Fahrerflucht-Anzeigen gibt es in Deutschland jedes Jahr über 500.000 Mal.

Beule durch Fahrerflucht

Auch ein nicht gemeldeter Schaden an einem parkenden Auto ist Fahrerflucht. © gettyimages/yellowsarah

Fahrerflucht gilt als die zweithäufigste Straftat im Straßenverkehr. Wir haben alles Wichtige für Sie zusammengefasst:


Zahlt die Versicherung bei Fahrerflucht?

Das hängt von Ihrem Versicherungsschutz ab und, ob der Täter gefunden wird oder nicht.

Wer zahlt, wenn der Täter gefunden wird?

Normalerweise übernimmt bei einer Fahrerflucht zuerst die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers die Reparaturkosten. Die Versicherung wird die Summe wahrscheinlich später vom Täter zurückfordern. Sie kann maximal 5.000 Euro zurückverlangen.

Das heißt: Wurden Sie Opfer von Fahrerflucht und der Täter wird gefunden, zahlt seine Kfz-Haftpflichtversicherung Ihren Schaden. Die Versicherung verlangt das Geld dann meist von ihm zurück.

Wer zahlt, wenn ich Fahrerflucht begangen habe?

Wenn Sie selbst Fahrerflucht begangen haben und erwischt wurden, zahlt Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung erst einmal den Schaden, der Dritten entstanden ist. Sie verlangt dann aber später das Geld von Ihnen zurück. Das bedeutet, Sie müssen die Kosten am Ende selbst übernehmen.

Grundsätzlich gilt: Ihre Versicherung kann Ihnen bei einer Fahrerflucht sogar den Versicherungsschutz kündigen. Denn das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ist ein außerordentlicher Kündigungsgrund. Außerdem können für Fahrerflucht Geld- oder Freiheitsstrafen drohen.

Das sollten Sie wissen: Wenn eine andere Person mit Ihrem Auto Fahrerflucht begangen hat, übernimmt Ihre Versicherung (Kfz-Haftpflichtversicherung, Vollkaskoversicherung) zunächst den Schaden. Denn eine Kfz-Versicherung wird immer für ein Fahrzeug abgeschlossen. Ihre Versicherung wird aber später die Kosten vom Täter zurückfordern.

Wer zahlt, wenn der Täter nicht gefunden wird?

Wird der Täter nicht gefunden, müssen Sie den Schaden wahrscheinlich selbst bezahlen.

Das gilt vor allem, wenn Sie keine Vollkaskoversicherung abgeschlossen haben. Nur sie zahlt auch bei einer unaufgeklärten Fahrerflucht den entstandenen Schaden. Die Teilkaskoversicherung zahlt bei Fahrerflucht nicht.

Das sollten Sie wissen: Der Verein Verkehrsopferhilfe e.V. ist eine Einrichtung der deutschen Autohaftpflichtversicherer. Er hilft Verkehrsopfern bei Unfällen in Deutschland, die nicht vom Versicherer übernommen werden. Das gilt vor allem bei Personenschäden. Bei Fahrerflucht zum Beispiel werden Schäden am Auto nur bezahlt, wenn dabei auch Personen schwer verletzt wurden.

Versicherung bei Fahrerflucht

Haben Sie eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen, wird die Police Ihre Reparaturkosten bei einer Fahrerflucht übernehmen. © gettyimages/Ocskaymark


Wann spricht man von Fahrerflucht?

Versursacht man einen Unfall und fährt einfach weiter, spricht man nach § 142 StGB von Fahrerflucht. Das Verhalten gilt rechtlich als unerlaubtes Entfernen vom Unfallort.

Fahrerflucht mit Sachschaden

Schon ein nicht gemeldeter Schaden an einem parkenden Auto ist Unfallflucht und wird verfolgt.

Streifen Sie zum Beispiel beim Ausparken ein fremdes Auto, spricht man von einem sogenannten Bagatellschaden. Das Wort Bagatelle bedeutet Kleinigkeit im Französischen. Ein Bagatellschaden ist also ein kleiner, oberflächlicher Schaden am Fahrzeug. Dazu zählen zum Beispiel Blechschäden wie Kratzer oder Beulen. Der Schaden darf in diesem Fall nicht höher als 700 Euro sein.

Das sollten Sie wissen: Fahren Sie bei einem Wildunfall einfach weiter, gilt das nicht als Fahrerflucht. Sie müssen den Vorfall aber trotzdem bei der Polizei oder einem Förster melden. Sonst kann es sein, dass Ihre Versicherung den Wildschaden nicht bezahlt. Nach dem Jagd- oder Tierschutzgesetz müssen Sie mit einer Geldstrafe zwischen 5.000 und 50.0000 Euro rechnen.

Fahrerflucht mit Personenschaden

Verursachen Sie einen Verkehrsunfall, bei dem Personen verletzt werden, und fahren einfach weiter, ist das auch Fahrerflucht. Sie müssen aber mit viel höheren Strafen (Freiheitsstrafe, Gefängnis) rechnen.

Neben der Fahrerflucht kann Ihnen auch unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen werden. Denn: Sie sind grundsätzlich verpflichtet, verletzten Personen am Unfallort zu helfen und Erste Hilfe zu leisten.

Schaden durch Fahrerflucht

Bei einem Unfall sollten Sie immer nachschauen, ob Personen verletzt sind und Erste Hilfe leisten. © gettyimages/Berezko

Unbemerkte Fahrerflucht

Sind Sie zum Beispiel mit lauter Musik oder Kopfhörern im Straßenverkehr unterwegs, merken Sie vielleicht gar nicht, dass Sie ein anderes Auto angefahren haben. Haben Sie den Unfall wirklich nicht wahrgenommen, ist das erst einmal keine klassische Fahrerflucht.

Gibt es aber eine Anzeige durch einen Zeugen, der Ihr Kennzeichen aufgeschrieben hat, prüft das Gericht, ob das wirklich eine unbemerkte Fahrerflucht war. Meist wird ein Unfallgutachten von einem Kfz-Sachverständigen erstellt.

Bei einer unbemerkten Fahrerflucht ist vor allem entscheidend, wie schwer der Schaden ist. Das bedeutet: Kann der Blechschaden nur durch einen heftigen Zusammenstoß entstanden sein, hätten Sie das normalerweise merken müssen. Ist der Schaden höher als 700 Euro (Bagatellgrenze), wird davon ausgegangen, dass Sie den Unfall auch wahrgenommen haben.

Wird nachgewiesen, dass Sie von dem Zusammenstoß wirklich nichts mitbekommen haben, werden Sie freigesprochen. Beschließt das Gericht aber, dass Sie den Unfallort unerlaubt verlassen haben, müssen Sie mit einer Strafe wegen Fahrerflucht rechnen.

Das sollten Sie wissen: Auch wenn keine sichtbaren Spuren an einem fremden Auto entstanden sind, dürfen Sie nicht einfach weiterfahren. Offiziell wird normalerweise erst ab einem Schaden von 50 Euro von Fahrerflucht gesprochen. Kratzer oder Beulen bemerkt man aber oft erst später, zum Beispiel wenn der Vorfall nachts passiert ist.


Fahrerflucht: Was tun?

Haben Sie selbst einen Unfall verursacht, müssen Sie am Unfallort bleiben, um keine Fahrerflucht zu begehen. Bemerken Sie Schäden an Ihrem Auto und vermuten Fahrerflucht, sollten Sie die Polizei informieren.

Wie kann ich Fahrerflucht vermeiden?

Haben Sie einen Unfall verursacht, müssen Sie sofort anhalten und aussteigen. Sind Personen verletzt, müssen Sie Erste Hilfe leisten und die Polizei informieren. Sonst machen Sie sich strafbar.

Haben Sie zum Beispiel auf einem Parkplatz ein Auto beschädigt, informieren Sie so schnell wie möglich den Fahrzeughalter. Ein Zettel mit Ihren Kontaktdaten unter dem Scheibenwischer reicht nicht aus. Er könnte bei Wind wegfliegen oder bei Regen nicht mehr lesbar sein.

Um keine Fahrerflucht zu begehen, sollten Sie circa 20 bis 60 Minuten (angemessene Wartezeit) am Unfallort bleiben. Wenn eine Parkuhr im beschädigten Auto ist, müssen Sie die maximale Parkdauer abwarten.

Grundsätzlich hängt die Wartezeit von den Umständen ab. Haben Sie zum Beispiel in der Nacht ein Fahrzeug auf einem Parkplatz angefahren, ist es eher unwahrscheinlich, dass der Besitzer bald auftaucht.

Können Sie den Fahrzeughalter nicht ausfindig machen, informieren Sie direkt die Polizei. Dafür sollten Sie das Kennzeichen, die Marke, den Fahrzeugtyp und die Farbe des beschädigten Autos notiert haben.

Sie begehen keine Fahrerflucht, wenn:

  • Sie den Unfallort verlassen, um den Schaden beim nächsten Polizeirevier zu melden.
  • Sie verletzt sind und Hilfe brauchen. Das gilt auch, wenn Sie einen Verletzten versorgen müssen.
  • Sie gefährliche Gegenstände von der Straße entfernen müssen.
  • Sie nur Ihr eigenes Fahrzeug beschädigt haben.
  • Sie ein Straßenschild oder eine Leitplanke angefahren haben. In dem Fall müssen Sie sich aber trotzdem bei der Polizei melden.

Das sollten Sie wissen: Sie können innerhalb von 24 Stunden bei der Polizei eine Selbstanzeige aufgeben, wenn Sie Fahrerflucht begangen haben. Das kann sich positiv auf die Höhe der Strafe auswirken. Dafür muss der Schaden aber gering sein und die Polizei darf die Ermittlungen noch nicht aufgenommen haben.

Verletzter Mensch durch Fahrerflucht

Wenn Sie einen Unfall verursacht haben, sollten Sie immer sofort anhalten, aussteigen und verletzte Personen versorgen. © gettyimages/GregorBister

Was tun, wenn andere Fahrerflucht begehen?

Bemerken Sie an Ihrem Auto Kratzer oder Beulen, sollten Sie noch am Unfallort Fotos von dem Schaden machen. Danach informieren Sie so schnell wie möglich die Polizei.

Dort können Sie eine Anzeige gegen Unbekannt aufgeben. Das ist vor allem für Ihren Versicherungsschutz wichtig, falls der Täter später nicht gefunden wird.

Die Polizei prüft als erstes, ob sich der Täter schon gemeldet und eine Selbstanzeige aufgegeben hat. Ist das nicht der Fall, wird die Fahrerflucht strafrechtlich verfolgt. Es wird nach dem Täter gesucht.

Grundsätzlich wird die Polizei versuchen, Zeugen zu finden, die den Unfall beobachtet haben. Hier können Sie sich auch selbst umhören. Es kann sich lohnen, zum Beispiel bei der Bäckerei oder dem Friseur beim Unfallort nachzufragen.

Außerdem sollten Sie Ihr Fahrzeug in einer Kfz-Werkstatt untersuchen und sich ein Schadengutachten ausstellen lassen. So können Sie bei Ihrer Versicherung nachweisen, dass Sie nicht selbst für den Schaden verantwortlich sind. In manchen Fällen brauchen Sie noch ein Unfallgutachten und einen Rechtsanwalt.

Welche weiteren Möglichkeiten Sie haben, wenn der Täter nicht gefunden wird, zeigen wir Ihnen unter dem Punkt „Zahlt die Versicherung bei Fahrerflucht?

Schaden durch Fahrerflucht mit dem Handy dokumentieren

Wenn Sie einen Schaden an Ihrem Auto bemerken, sollten Sie Fotos machen und die Polizei informieren. © gettyimages/ipopba


Welche Strafen drohen bei Fahrerflucht?

Nach § 142 StGB ist die Strafe für Fahrerflucht entweder eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Auch Fahrverbot und Punkte in Flensburg sind möglich.

Wer bei einem Parkschaden einfach weiterfährt, riskiert bis zu drei Punkte in Flensburg und ein dreimonatiges Fahrverbot. Wurden Personen verletzt oder sterben sogar, ist eine Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren möglich.

Wie hoch die Strafe ausfällt, ist immer abhängig von dem Umfang des Schadens. Es gilt: Je größer der Schaden, desto höher die Strafe. Das heiß aber auch, dass jede Tat einzeln betrachtet werden muss. Es können in der Tabelle also nur mögliche Strafen zusammengefasst werden.

Bei Fahrerflucht drohen folgende Strafen:

Verstoß

Geldstrafe

Punkte in Flensburg

Fahrverbot/Entzug der Fahrerlaubnis

Freiheitsstrafe

Sachschaden unter 600 Euro

Geldauflage (Zahlung an eine gemeinnützige Einrichtung)

keine Punkte

kein Fahrverbot, kein Entzug der Fahrerlaubnis

keine Freiheitsstrafe

Sachschaden unter 1.300 Euro

Strafe richtet sich nach der Höhe eines Monatsgehalts

zwei Punkte

maximal drei Monate Fahrverbot

keine Freiheitsstrafe

Sachschaden über 1.300 Euro

Geldstrafe, die höher als ein Monatsgehalt ausfallen kann

drei Punkte

Entzug der Fahrerlaubnis

keine Freiheitsstrafe

Personenschaden durch fahrlässige Körperverletzung

Geldstrafe oder Freiheitsstrafe

drei Punkte

maximal drei Monate Fahrverbot oder Entzug der Fahrerlaubnis

Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren

Personenschaden durch fahrlässige Tötung

Geldstrafe oder Freiheitsstrafe

drei Punkte

Entzug der Fahrerlaubnis

Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren

 

Haben Sie einen Unfall mit verletzten Personen verursacht und sind einfach weitergefahren, müssen Sie auch mit einer Strafe wegen unterlassener Hilfeleistung nach § 323c StGB rechnen. Das kann eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr sein.

Ist es zu dem Unfall gekommen, weil Sie ein Überholverbot oder eine rote Ampel nicht beachtet haben, werden Sie zusätzlich wegen fahrlässiger Körperverletzung nach § 229 StGB betraft. Gibt es sogar Tote, müssen Sie sich auch wegen fahrlässiger Tötung nach § 222 StGB verantworten. Die Strafen bekommen Sie zur Fahrerflucht obendrauf.

Fahrerflucht in der Probezeit: Jeder Fahranfänger, der gerade erst den Führerschein gemacht hat, hat normalerweise zwei Jahre Probezeit. Verhalten Sie sich in der Zeit nicht korrekt im Straßenverkehr, wird nach sogenannten A- und B-Verstößen unterschieden. Fahrerflucht gehört zu den A-Verstößen, sie sind schlimmere Vergehen. Ihre Probezeit verlängert sich bei Fahrerflucht zusätzlich zu der normalen Strafe um weitere zwei Jahre. Sie müssen auch an einem Aufbauseminar für Fahranfänger teilnehmen. Die Kosten müssen Sie selbst bezahlen.

Verjährung: Das unerlaubte Verlassen eines Unfallorts verjährt nach fünf Jahren. Das bedeutet, dass die Täter nach dieser Zeit nicht mehr bestraft werden können.

Handeln statt weiterfahren

Fahrerflucht ist eine Straftat, die schlimme Folgen haben kann. Sie sollten immer vorausschauend fahren und im Falle eines Unfalls sofort anhalten. Schauen Sie nach, ob Personen verletzt sind und leisten Sie im Zweifel Erste Hilfe. Beachten Sie, dass auch ein Parkschaden unangenehme Folgen haben kann.

Mit welcher Strafe Sie für Fahrerflucht rechnen müssen, hängt immer davon ab, wie schwer der Unfall und wie hoch der entstandene Schaden ist. Bei Fahrerflucht in der Probezeit kommt eine zweijährige Verlängerung der Probezeit dazu.

Sollten Sie an Ihrem eigenen Auto Kratzer oder Beulen bemerken, informieren Sie am besten so schnell wie möglich die Polizei. Dort können Sie eine Anzeige gegen Unbekannt wegen Unfallflucht aufgeben.

Wir wünschen Ihnen allzeit gute Fahrt! Ihre AllSecur