Bagatellschaden am Auto

Bei einem Bagatellschaden handelt es sich um kleine Schäden am Blech eines Fahrzeugs. Gerade beim Rangieren auf Parkplätzen kann es schnell zu einem Parkrempler kommen. Wir erklären Ihnen, was man unter einem Bagatellschaden versteht, ab wann der Schaden höher ist und ob es sich lohnt, einen Bagatellschaden am Auto der Versicherung zu melden.

Kratzer im Autolack
Als Bagatellschaden zählen zum Beispiel kleine Kratzer am Autolack. © gettyimages/Graphic Designer

Bei einem kleinen Schaden kommt schnell die Frage auf, ob es sich überhaupt noch um einen Bagatellschaden handelt und wie Sie sich am besten verhalten sollen. Wir klären Sie darüber auf und gehen auf weitere Fragen zum Thema ein:

Definition: Was ist ein Bagatellschaden?

Ein Bagatellschaden ist ein kleiner Sachschaden am Auto, bei dem nur das Blech des Fahrzeugs beschädigt wurde. Wenn bei einem Unfall eine Person verletzt wird oder das Fahrzeug mehr als nur einen Blechschaden hat, spricht man nicht mehr von einem Bagatellschaden.

Beispiele für einen Bagatellschaden sind:

  • kleine Kratzer im Autolack

  • kleine Schrammen an der Karosserie

  • leichte Dellen im Autoblech

Ein Bagatellschaden ist also nur ein kleiner Schaden, das bedeutet, die Reparaturkosten sind gering. Eine genaue Kostengrenze ist zwar nicht gesetzlich geregelt, 2004 legte der Bundesgerichtshof in einem Urteil aber eine Kostengrenze von 700 Euro fest. Seitdem bewegt sich die Grenze für einen Bagatellschaden je nach Versicherung zwischen 700 und 750 Euro.

Die Kosten für die Reparatur eines Bagatellschadens am Fahrzeug des Geschädigten übernimmt die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers. Schäden am eigenen Auto bezahlt gegebenenfalls eine Vollkaskoversicherung.

Was tun bei einem Bagatellschaden?

Ein Bagatellschaden entsteht häufig beim Rangieren an der Straße oder auf Parkplätzen. Während an der Straße der Autobesitzer des beschädigten Autos meist anwesend ist, ist die Wahrscheinlichkeit bei einem Parkrempler geringer. Wir erklären Ihnen deshalb, wie Sie sich in beiden Fällen am besten verhalten.

Wenn der Geschädigte vor Ort ist

Unfallbericht wird ausgefüllt.
Auch bei einem Bagatellschaden sollten Sie immer einen Unfallbericht für die Versicherung anfertigen. © gettyimages/vm

Zuerst müssen Sie die Unfallstelle sichern, egal ob der Unfall auf der Straße passiert ist oder auf einem Parkplatz. Für die Versicherung ist es wichtig, dass Sie den Schaden fotografieren und einen Unfallbericht anfertigen. Es ist gut, davon immer eine Vorlage in zweifacher Ausfertigung (eine für den Unfallgegner) im Auto dabeizuhaben. Der Unfall sollte dann noch am selben Tag der Kfz-Versicherung des Unfallverursachers gemeldet werden. Das übernimmt normalerweise der Unfallverursacher.

Wenn der Geschädigte nicht vor Ort ist

Zettel an Windschutzschreibe nach Parkrempler
Ein Zettel an der Windschutzscheibe reicht nicht aus. Sie müssen auf den Fahrzeughalter warten oder die Polizei informieren. © gettyimages/Ralf Geithe

Wenn Sie ein parkendes Auto angefahren haben und der Fahrzeughalter nicht vor Ort ist, können Sie das Kennzeichen in den umliegenden Geschäften ausrufen lassen oder bei Anwohnern nachfragen, ob sie den Halter des Fahrzeuges kennen. Wenn Sie den Fahrzeughalter nicht ausfindig machen können, müssen Sie 30 Minuten auf den Halter warten. Erscheint er dann immer noch nicht, sind Sie gesetzlich dazu verpflichtet, den Unfall bei der Polizei zu melden. Dazu können Sie einfach bei der örtlichen Polizeistation anrufen. Die Beamten nehmen dann Ihre Personalien auf und verständigen den Besitzer des Autos.

Für die Versicherung ist natürlich auch in dem Fall wichtig, dass Sie den Schaden fotografieren und direkt Ihrer Kfz-Versicherung melden.

Das sollten Sie wissen: An die genannten gesetzlichen Vorgaben sollten Sie sich unbedingt halten, denn auch bei einem Bagatellschaden ist es Fahrerflucht, wenn Sie die Unfallstelle einfach verlassen.

Muss ich bei einem Bagatellschaden die Polizei rufen?

Polizeiauto
Die Polizei müssen Sie bei einem Bagatellschaden nur in Ausnahmefällen rufen. © gettyimages/FooTToo

Nein, bei kleineren Schäden, also auch Bagatellschäden, muss die Polizei den Schaden nicht offiziell aufnehmen. Möchten Sie, dass die Polizei den Schaden trotzdem notiert, ist das eine technische Hilfeleistung, die kostenpflichtig sein kann.

Ausnahmen, bei denen Sie die Polizei verständigen sollten, sind:

  • Der Unfallverursacher steht vermutlich unter Alkoholeinfluss oder Drogen.

  • Sie vermuten, dass der Schaden doch höher ist und es sich nicht mehr um einen Bagatellschaden handelt.

  • Sie können sich nicht mit Ihrem Unfallgegner einigen, wer schuld am Unfall ist.

Ausnahme bei Mietwägen: Wenn Sie einen Mietwagen fahren, achten Sie darauf, ob im Mietvertrag festgelegt ist, dass bei einem Unfall immer die Polizei gerufen werden muss. In dem Fall müssen Sie auch bei kleinen Schäden wie einem Bagatellschaden die Beamten verständigen.

Wann ist es kein Bagatellschaden mehr?

Ob es sich noch um einen Bagatellschaden handelt, ist manchmal nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Wir erklären Ihnen, auf was Sie vor Ort achten können, um herauszufinden, ob es sich noch um einen Bagatellschaden handelt oder ob sich ein nachträgliches Gutachten lohnt.

Gibt es Anzeichen auf versteckte Schäden?

Bei manchen Schäden ist nicht auf Anhieb erkennbar, ob es sich nur um einen Schaden am Blech des Autos handelt oder ob mehr beschädigt wurde. Dabei können Sie zum Beispiel auf Folgendes achten:

  • Hat eine größere Delle vielleicht darunterliegende Autoteile mitbeschädigt?

  • Sind die Kratzer im Auto sehr tief, sodass das Auto aufwendig lackiert werden muss?

  • Ist Ihr Auto mit einem Sonderlack überzogen, der sehr teuer ist?

In solchen Fällen werden die Reparaturkosten deutlich wahrscheinlich höher als 750 Euro sein und Sie können den Schaden nicht mehr als Bagatellschaden der Versicherung melden. Sie müssen ihn dann als „normalen“ Schaden angeben.

Soll ich ein Gutachten machen lassen?

Gutachter
Ein Gutachten wird bei einem Bagatellschaden nicht von der Versicherung bezahlt. © gettyimages/BartCo

Wenn Sie sich auch nach eigener Inspektion nicht sicher sind, sollten Sie sich eine professionelle Einschätzung einholen. Kfz-Versicherungen übernehmen normalerweise die Kosten für ein Gutachten nur dann, wenn der Schaden über 700 Euro liegt. Ein Gutachten beginnt bei rund 400 Euro und ist deshalb oft teurer als die eigentliche Reparatur bei einem Bagatellschaden.

Zwei gute Alternativen für ein umfangreiches Gutachten sind deshalb:

  • Kostenvoranschlag der Kfz-Werkstatt

  • Kurzgutachten

Kurzgutachten:

Ein Kurzgutachten ist ausführlicher als ein Kostenvoranschlag, aber nicht so umfangreich wie ein normales Gutachten (zum Beispiel keine Ermittlung der Wertminderung oder des Nutzungsausfalls) und deshalb günstiger. Die Kosten belaufen sich normalerweise auf 50 bis 100 Euro.

Wenn sich herausstellt, dass es sich um keinen Bagatellschaden mehr handelt, übernimmt die Kfz-Versicherung die Kosten für das Kurzgutachten. Fragen Sie außerdem am besten vorher bei Ihrem Versicherer nach, ob Sie auf Kosten der Versicherung ein Kurzgutachten machen lassen können, auch wenn es sich um einen Bagatellschaden handelt.

Soll ich den Bagatellschaden der Versicherung melden?

Kratzer am Lack mit Handy fotografiert
Für die Versicherung sollten Sie immer Fotos vom Schaden machen. © gettyimages/Kwangmoozaa

In manchen Fällen ist es günstiger, die Kosten für die Reparatur selbst zu übernehmen und den Schaden nicht der Versicherung zu melden.

Denn: Durch einen verursachten Schaden, den Sie Ihrer Kfz-Versicherung melden, können Sie in eine schlechtere Schadensfreiheitsklasse eingestuft werden. Das kann für Sie am Ende teurer sein, als einen kleinen Schaden selbst zu bezahlen (zum Beispiel 100 Euro für das Ausbessern einer Delle).

Beispiel: Die Reparatur für das Ausbessern einer kleinen Delle kostet 100 Euro. Durch den Unfall werden Sie in eine schlechtere Schadensfreiheitsklasse eingestuft und müssen pro Monat 12 Euro mehr für Ihre Versicherung bezahlen. Nach einem Jahr wären das 144 Euro, die Sie wegen des Unfalls mehr bezahlen müssten.

Wenn Sie den Unfall verursacht haben und auch Ihr eigenes Auto etwas abbekommen hat, übernimmt nur eine Vollkaskoversicherung den entstandenen Schaden an Ihrem eigenen Auto. Neben einer schlechteren Einstufung innerhalb der Schadensfreiheitsklasse spielt bei vielen Verträgen auch die vereinbarte Selbstbeteiligung eine Rolle. Die festgelegte Summe kann bei einem Bagatellschaden höher sein als die anfallenden Reparaturkosten. In einem solchen Fall müssen Sie die Kosten für die Reparatur selbst bezahlen.

Beispiel: Die Reparatur an Ihrem eigenen Auto kostet nach einem Unfall 200 Euro. Sie haben bei Ihrer Vollkaskoversicherung aber eine Selbstbeteiligung von 300 Euro vereinbart. Das bedeutet, Ihr Versicherer zahlt bei einem Schaden nur den Betrag, der über 300 Euro hinausgeht. Liegen die Reparaturkosten aber bei 200 Euro, müssen Sie die Summe selbst bezahlen.

Bevor Sie sich also entscheiden, den Schaden Ihrer Versicherung zu melden, sollten Sie die Versicherungspolice genau lesen oder bei Ihrer Kfz-Versicherung nachfragen, ob es sich lohnt.

Übrigens: Wenn Sie sich dafür entscheiden, den Schaden an Ihrem eigenen Auto sogar selbst zu reparieren, empfehlen wir Ihnen unsere Tipps, wie Sie Ihr Auto lackieren können.

Der Bagatellschaden zusammengefasst

Ein Bagatellschaden liegt immer dann vor, wenn das Fahrzeug nur einen sehr kleinen Schaden abbekommen hat, die Reparaturkosten nicht über 700 bis 750 Euro reichen und keine Personen verletzt wurden.

In einem solchen Fall kann es sogar günstiger sein, kleine Schäden selbst zu bezahlen und nicht der Versicherung zu melden. Wenn Sie sich unsicher sind, ob es sich um einen Bagatellschaden handelt, können Sie sich einen Kostenvoranschlag bei einer Werkstatt machen oder ein Kurzgutachten erstellen lassen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Wir wünschen Ihnen allzeit gute Fahrt! Ihre AllSecur

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