Fahrraddiebstahl: Was tun?

332.000 Fahrraddiebstähle wurden letztes Jahr in Deutschland gemeldet. Wir erklären, was Sie tun müssen, wenn Ihr Fahrrad gestohlen wurde und wie Sie einen Fahrraddiebstahl richtig bei Polizei und Versicherung melden. Unsere extra Tipps helfen Ihnen, Ihr Fahrrad in Zukunft besser zu schützen.

Fahrräder

Damit Ihr Fahrrad nicht gestohlen wird, sollten Sie es gut sichern. © gettyimages/zodebala

Wir klären die wichtigsten Fragen rund um das Thema Fahrraddiebstahl und haben mit dem Rechtsanwalt Christian Janeczek über die möglichen Strafen für einen Fahrraddiebstahl gesprochen.


Was muss ich bei einem Fahrraddiebstahl tun?

Bei einem Fahrraddiebstahl sollten Sie schnell handeln. Wir erklären Ihnen, wie Sie einen Diebstahl bei der Polizei und Ihrer Versicherung richtig melden.

Diebstahl bei der Polizei melden

Wurde Ihr Fahrrad gestohlen, sollten Sie den Diebstahl als erstes bei der Polizei melden. Denn es gilt: Nur wenn Sie eine Anzeige erstattet haben, wird Ihre Versicherung zahlen. Folgende Informationen braucht die Polizei normalerweise von Ihnen:

  • Eigentumsnachweis (am besten den Kaufbeleg)
  • Rahmennummer
  • Codierung (falls vorhanden)
  • Rahmengröße und Modell
  • Farbe
  • Besondere Merkmale

Am besten legen Sie direkt bei der Anzeige Ihren Fahrradpass vor oder übermitteln die Daten aus der App an die Dienststelle. So können Sie den Prozess beschleunigen, weil im Fahrradpass alle wichtigen Informationen notiert sind. Ist Ihr Fahrrad codiert, weisen Sie die Beamten darauf hin.

Abgesperrtes Rennrad

Wird Ihr Fahrrad trotz Schloss geklaut, sollten Sie den Diebstahl schnell bei der Polizei melden. © gettyimages/PPAMPicture

Diebstahl bei der Versicherung melden

Nachdem Sie den Fahrraddiebstahl bei der Polizei angezeigt haben, sollten Sie so schnell wie möglich Ihre Versicherung informieren. Warten Sie zu lange, kann es sein, dass Ihr Versicherer die Kosten nicht mehr übernimmt.

Auch hier sollten Sie alle Daten parat haben. Legen Sie Ihrer Versicherung die Anzeigennummer der Polizei, den Eigentumsnachweis, Ihren ausgefüllten Fahrradpass und auf Wunsch auch die Rechnung vor. Haben Sie keinen Fahrradpass, sollten Sie bei Ihrem Versicherungsanbieter nachfragen, welche weiteren Informationen wichtig sind.

Taucht Ihr Fahrrad innerhalb von drei Wochen nicht wieder auf, übernimmt die Versicherung normalerweise den Schaden. Es kommt aber immer darauf an, wo Ihr Fahrrad gestohlen wurde und welchen Versicherungsschutz Sie abgeschlossen haben.

Ein Tipp: Machen Sie sich selbst auf die Suche. Viele Diebe klauen ein Fahrrad nur, um schnell an ihr Ziel zu kommen. Oft wird es in der Nähe abgestellt oder sogar wieder an den Ort zurückgebracht, an dem es gestohlen wurde. Überprüfen Sie deshalb Bahnhöfe und Bushaltestellen in der Umgebung und suchen Sie an zentralen öffentlichen Plätzen. Sie sollten auch regelmäßig in Ihrem örtlichen Fundbüro nachfragen.


Wer zahlt bei einem Fahrraddiebstahl?

Bei einem Fahrraddiebstahl kommt es immer darauf an, wo Ihr Fahrrad gestohlen wurde und welche Versicherung Sie abgeschlossen haben. Wir erklären Ihnen, welche Kosten die Hausratversicherung übernimmt und wann die Fahrradversicherung zahlt.

Die Hausratversicherung

Grundsätzlich gehört Ihr Fahrrad zu den sogenannten beweglichen Dingen im Hausrat. Damit sind zum Beispiel Möbel und technische Geräte gemeint. Ihr Fahrrad ist also auch in der Hausratversicherung mitversichert.

Das gilt aber nur, wenn Ihr Fahrrad direkt aus der Wohnung oder einem abgeschlossenen Keller beziehungsweise einer abgesperrten Garage gestohlen wird.

Manche Versicherungsanbieter zahlen auch, wenn Ihr Fahrrad aus Ihrem eigenen, umzäunten Garten oder einem speziellen Abstellraum für Räder gestohlen wurden. Die Voraussetzung ist aber, dass es abgeschlossen war.

Wird Ihr Fahrrad auf der Straße oder am Bahnhof gestohlen, zahlt die Hausratversicherung nicht. Sie können aber zu Ihrer Hausratversicherung den Baustein Fahrradversicherung dazu buchen. So sind alle Fahrräder und Fahrradanhänger in Ihrem Haushalt geschützt.

Haben Sie zusätzlich zur Hausratversicherung den Baustein „FahrradSchutz“ abgeschlossen, spielt es keine Rolle, wo Sie Ihr Fahrrad abstellen. Es muss nur abgeschlossen sein. Bei den meisten Versicherungsanbietern gilt der Schutz rund um die Uhr (also auch nachts) und weltweit. Sie bekommen bei einem Diebstahl den Betrag für ein neues, gleichwertiges Fahrrad bezahlt.

Das sollten Sie beachten: Die zusätzliche Fahrradversicherung lohnt sich vor allem bei hochwertigen Rennrädern und Mountainbikes. Ob bei Ihrem Versicherungsschutz auch E-Bikes mitversichert sind, hängt meistens von der Leistung (0,25 kW) ab. Normalerweise zählen Pedelecs oder E-Bikes mit einer Höchstgeschwindigkeit bis zu 25 km/h dazu.

Die Fahrradversicherung

Einige Versicherer bieten auch spezielle Fahrradversicherungen an. Die Police lohnt sich, wenn Sie keine Hausratversicherung haben, Ihre teuren Fahrräder aber trotzdem schützen wollen.

Die Fahrradversicherung ist in diesem Fall nicht an die Hausratversicherung gebunden, sondern gilt als eigenständige Spezialversicherung.

Haben Sie eine extra Fahrradversicherung abgeschlossen, ist Ihr Fahrrad nicht nur bei Diebstahl versichert. Ihre Versicherung übernimmt meistens auch die Reparaturkosten bei Vandalismus oder einem Unfall.

Aber: Eine eigenständige Fahrradversicherung muss nicht unbedingt teurer sein als der zusätzliche Baustein zur Hausratversicherung. Wie viel Sie zahlen müssen, hängt normalerweise von Ihrem Versicherungsanbieter und Ihrem Wohnort ab. Informieren Sie sich bei Ihrer Versicherung und vergleichen Sie die unterschiedlichen Angebote.


Wie kann ich mein Fahrrad vor Diebstahl schützen?

Um Ihr Fahrrad möglichst gut vor Dieben zu schützen, sollten Sie die vier Tipps beachten.

1. Sperren Sie Ihr Fahrrad richtig ab.

Sperren Sie nicht nur das Vorder- oder Hinterrad ab, sondern schließen Sie den Rahmen Ihres Fahrrads immer an einem festen Gegenstand (Fahrradständer, Laterne) an. Das gilt auch in Ihrer Garage oder Ihrem Abstellraum. Das Fahrrad kann sonst von Dieben schnell weggetragen oder verladen werden.

Um Ihr Fahrrad sicher abzusperren, sollten Sie ein möglichst starkes Schloss nutzen. Die Polizei empfiehlt entweder ein u-förmiges Bügel- oder ein Panzerkabelschloss. Dünne Ketten- oder Spiralkabelschlösser eignen sich weniger. Sie können ganz einfach mit einer Zange oder einem Seitenschneider durchgeschnitten werden.

Beim Verband der Schadensversicherer (VdS) finden Sie geprüfte Zweiradschlösser, die besonders robust und sicher sind.

Bügelschloss

Ein u-förmiges Bügelschloss ist besonders sicher und wird von der Polizei empfohlen. © gettyimages/Eshma

2. Nutzen Sie einen Fahrradpass.

Mit einem Fahrradpass haben Sie bei einem Diebstahl alle Daten griffbereit. Am wichtigsten ist die Rahmennummer. Sie besteht aus mindestens sechs Zahlen und Zeichen. Mit ihr lässt sich Ihr Fahrrad identifizieren. Sie sollten die Rahmennummer ordentlich in Ihren Fahrradpass eintragen.

Die Rahmennummer finden Sie normalerweise am Lenker, auf dem Rohr unter dem Sattel, auf dem Tretlager (das Stück, an dem die Pedale befestigt sind) oder auf dem Gepäckträger.

Sie bekommen den Fahrradpass beim Fahrradkauf von Ihrem Händler oder bei jeder Polizeidienststelle. Sie können sich den Fahrradpass der Polizei (PDF) auch direkt herunterladen und ausfüllen.

Es gibt sogar eine kostenlose Fahrradpass-App. Hier können Sie Ihren Namen und Ihre Anschrift eintragen. Am besten laden Sie auch ein Foto Ihres Fahrrads hoch, geben die Rahmennummer und die Codierung an und beschreiben es so genau wie möglich. Die Daten können Sie bei einem Diebstahl an die Polizei oder an Ihre Versicherung weiterleiten.

Aber: Der Fahrradpass ist kein Eigentumsnachweis. Er kann trotzdem mit einem Kaufbeleg und einem Foto für die Versicherung wichtig sein.

3. Lassen Sie Ihr Fahrrad codieren.

Hat Ihr Fahrrad keine Rahmennummer oder keine eindeutige Markierung, können Sie es von einem Fachhändler codieren lassen. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) machen Codierungen.

Normalerweise wird bei der Codierung eine individuelle Nummer in den Rahmen eingraviert. Fundämter und die Polizei können den Code schnell entschlüsseln und so Ihre Adresse ausfindig machen. Wollen Sie Ihr Fahrrad kennzeichnen lassen, müssen Sie den Eigentumsnachweis vorlegen. Sie erhalten ihn beim Kauf von Ihrem Händler.

Sie können auch einzelne Teile Ihres Fahrrads mit codierten Schrauben sichern. Dafür eignen sich zum Beispiel Sattel, Vorder- und Hinterrad. Das spezielle System kann nur mit einem passenden Schlüssel geöffnet werden. So können Diebe nicht einfach Teile Ihres Fahrrads abmontieren. Die codierten Sicherungen bekommen Sie in jedem Fachhandel.

Das sollten Sie wissen: Vor allem bei älteren Räder kommt es vor, dass keine Rahmennummer eingestanzt ist. Einige Hersteller verwenden außerdem Seriennummern für mehrere Rahmen. Diese Fahrräder haben also alle die gleiche Markierung. Sie können allein über die Rahmennummer nicht eindeutig identifiziert werden. Hier lohnt sich eine individuelle Codierung.

4. Statten Sie Ihr Fahrrad mit GPS aus.

Mittlerweile haben Sie die Möglichkeit, Ihr Fahrrad mit einem sogenannten GPS-Tracker auszustatten. Das System wird zum Beispiel versteckt am Lenker angebracht.

Bei einem Diebstahl schlägt es Alarm und sendet eine SMS auf das Handy des Eigentümers. Das eingebaute GPS (Globales Positionsbestimmungssystem) übermittelt den Ort, an dem sich das Fahrrad gerade befindet. Die Daten können Sie an die Polizei weitergeben.

Solche GPS-Tracker können zur Aufklärung eines Diebstahls beitragen. Die Geräte sind aber nicht billig und lohnen sich deshalb eher bei teuren Fahrrädern.


Welche Strafen drohen bei einem Fahrraddiebstahl?

Hammer vor Gericht für Strafen

Bei einem Fahrraddiebstahl müssen Sie immer mit einer Geldstrafe oder sogar einer Freiheitsstrafe rechnen. © gettyimages/DNY59

„Bei einem Fahrraddiebstahl kommt es auf verschiedene Faktoren an. Die Strafe hängt zum Beispiel vom Wert des Fahrrads, den Vorstrafen und dem Einkommen des Täters ab. Auch ein Geständnis kann sich positiv auswirken“, erklärt der Rechtsanwalt Christian Janeczek.

Außerdem macht es einen Unterschied, ob Jugendstrafrecht oder Erwachsenenstrafrecht angewendet wird. Die Art des Diebstahls entscheidet am Ende über die Höhe der Strafe:

  • Unbefugter Gebrauch eines Fahrzeugs: Nutzen Sie unerlaubt ein fremdes Fahrrad, müssen Sie nach § 248b StGB mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen. Allein der Versuch ist strafbar.
  • Einfacher Diebstahl: Nehmen Sie absichtlich ein fremdes Fahrrad mit, um es zu behalten oder an jemand anderen weiterzugeben, müssen Sie nach § 242 StGB mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen. Fahren Sie zum Beispiel mit einem unabgeschlossenen Fahrrad vom Bahnhof nach Hause, um das Fahrrad für sich zu behalten, ist das ein einfacher Diebstahl. Auch hier ist allein der Versuch strafbar.
  • Besonders schwerer Fall des Diebstahls: Nach § 243 StGB müssen Sie bei einem besonders schweren Fall des Diebstahls mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren rechnen. Das liegt zum Beispiel vor, wenn in einen abgeschlossenen Raum (Garage) eingebrochen wird, um ein Fahrrad zu stehlen. Oder wenn Sie ein abgeschlossenes Fahrrad vom Bahnhof mitnehmen, indem Sie das Schloss knacken.

„Stiehlt jemand ein Fahrrad und verkauft es weiter, wird der Verkauf nicht extra verfolgt. Das wird aber bei der Höhe der Strafe berücksichtigt“, sagt der Rechtsanwalt.

„Kauft jemand ein Fahrrad, von dem er weiß, dass es gestohlen wurde, ist das eine Hehlerei“, erklärt Christian Janeczek. Nach § 259 StGB müssen Sie bei einer Hehlerei mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen.

Wird zum Beispiel nur der Sattel eines Fahrrads mitgenommen oder ein Reifen abgebaut, handelt es sich trotzdem um einen einfachen Diebstahl. „Wenn so ein Sattel wertvoller ist als ein altes Fahrrad, kann der Satteldieb sogar härter bestraft werden als einer, der ein ganzes Fahrrad stiehlt“, sagt der Rechtsanwalt.


Wo in Deutschland werden die meisten Fahrräder gestohlen?

Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 wurden in den nördlichen Bundesländern Bremen, Hamburg und Berlin die meisten Fahrräder gestohlen. Insgesamt sind im vergangenen Jahr rund 332.000 Fahrräder in Deutschland geklaut worden. Das sind 3.000 weniger als 2015.

Laut dem Zweirad-Industrie-Verband gab es 2016 73.000.000 Fahrräder in Deutschland. Das bedeutet, etwa jedes 220. Rad wurde geklaut. Die Polizeiliche Kriminalstatistik bezieht sich aber nur auf die gestohlenen Fahrräder, die offiziell gemeldet wurden. Viele Besitzer zeigen einen Fahrraddiebstahl gar nicht an. Es sind also insgesamt mehr Fahrräder geklaut worden.

Grafik des GDV: Fahrraddiebstahl in DeutschlandDie Grafik des GDV zeigt: In den nördlichen Bundesländern werden mehr Fahrräder gestohlen als im Süden Deutschlands. © www.gdv.de

Wo mehr und wo weniger Fahrräder gestohlen werden, hängt von der Stadt ab. Die meisten Fahrraddiebstähle wurden 2016 in Münster, Leipzig, Halle, Cottbus und Magdeburg gemeldet. Aufgeklärt werden konnten nur circa 7 bis 20 Prozent. Am wenigsten Fahrraddiebstähle wurden im vergangenen Jahr in Remscheid, Solingen, Hagen, Wuppertal und Pforzheim bei der Polizei registriert.

Immer einen Schritt voraus!

Vorsicht ist besser als Nachsicht. Deshalb sollten Sie einen möglichen Fahrraddiebstahl immer im Hinterkopf behalten, wenn Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind. Parken Sie vor dem Supermarkt oder am Bahnhof, nutzen Sie ein starkes Schloss und sperren Sie Ihr Fahrrad immer am Rahmen ab.

Sollte Ihr Fahrrad doch einmal gestohlen werden, wissen Sie nun, was zu tun ist: Sie müssen den Fahrraddiebstahl bei der Polizei und dann bei Ihrer Versicherung melden. Fragen Sie auch regelmäßig beim Fundbüro nach und machen Sie sich selbst auf die Suche.

Wir wünschen Ihnen allzeit gute Fahrt! Ihre AllSecur